Modified: 06.07.2003

 

Olaf & Angela unterwegs vom 02.09.1992 bis zum 11.10.1992.

 

 

Irland ist, wie sich bereits herumgesprochen hat, eine wundervolle grüne Insel mit z.T. wirklich unglaublich freundlichen Bewohnern. Unsere erste Begegnung mit diesem Land hatten wir im Sommer 1992, als wir einen Monat lang in Irland mit dem Fahrrad unterwegs waren. Die Reise führte uns von Dublin zunächst nach Süden in die Wicklow Mountains, von dort durchs Land bis an die Westküste bei Galway, dann hinauf in den Norden, auch ein wenig durch Nordirland, und wieder zurück nach Dublin.

 

Mit einem Fahrrad in Dublin anzukommen, ist gar nicht so einfach. Ein riesiger Kreisverkehr liefert die Anbindung vom Flughafen nach Dublin, auf den großen Straßen in Richtung Stadt ist Radfahren nicht erlaubt und man würde das auch gar nicht wollen. Also lassen wir zunächst Dublin aus und brechen direkt gen Süden auf, in Richtung Wicklow Mountains. In diesen schönen Bergen, wo Angela ihre erste unfreiwillige Paßquerung unternimmt (auf Grund eines gut gemeinten Ratschlages einer Irin, die wir nach dem Weg fragen), gibt es eine wundervolle Heidelandschaft, in der sich offenbar Schafe sozusagen pudelwohl fühlen. Und noch eine weitere Eigenart von Irland bemerken wir hier bereits: Das ständig wechselnde Wetter liefert stündliche Überraschungen, von Sonnenschein bis Platzregen ist jederzeit alles möglich, was uns auch so manchen Regenbogen beschert.

 

Inmitten der Wicklow Mountains befindet sich Glendalough, eine mittelalterliche Klosteranlage. Diese Anlage besteht aus einigen Häusern und Ruinen, die aus dem 7. Jahrhundert stammen. Sie ist wundervoll gelegen in einem Tal (= Glen), in der Nähe eines stillen Sees (= Lough). Erhalten ist noch ein Rundturm, der den Bewohnern in Wikingerzeiten als Zufluchtsort diente. Glendalough ist meiner Meinung nach einer der schönsten Orte der Erde. Allerdings sollte man dringend darauf achten, bereits vor (oder nach) dem riesigen Ansturm von Reisebussen da zu sein, die insbesondere in Sommerzeiten große Touristenmassen ausspucken. Sehr sehenswert sind auch die wieder aufgebauten Häuser, deren dicke, gedrungene Mauern ein schweres, gewaltiges Dach tragen, das komplett aus Stein besteht. Sie erlauben einen Einblick in die geringen technischen Möglichkeiten des frühen Mittelalters, in dem es nicht möglich war, an die Bauleistungen der früheren römischen Architektur anzuknüpfen.

 

Von Glendalough führt uns der Weg gen Westen ins Landesinnere. Eine grüne Graslandschaft ist hier der Begleiter der Reisenden, kleine Städtchen sind die Heimat freundlichster Einheimischer, wohl nicht zuletzt, weil nicht so viele gräßliche Touristen hier vorbeikommen. Unsere Reise führt uns in Richtung Tullow, wo uns die irische Gastfreundschaft ein erstes Mal tief beeindruckt: Auf der Fahrt ächzt Angelas Fahrrad mächtig unter dem Gewicht des Gepäcks und bevor wir uns versehen, ist mit einem "Pling" die erste Speiche gerissen. Da wir keinen Ersatz dabei haben, versuchen wir noch ein wenig weiter zu radeln, und wieder "Pling". Mit zwei gerissenen Speichen wird es langsam schwierig, jetzt müssen wir wohl schieben. In Tullow angekommen fragen wir uns durch bis zum Fahrradladen, der im Wesentlichen eine Garage eines Einfamilienhauses ist. Es ist Samstag abend gegen 18:00 Uhr, da sind wir schon gespannt, wie es wohl weitergehen wird. Uns öffnet eine freundliche Frau, die uns erklärt, daß ihr Mann gerade beim Fußballspiel ist und daher wohl erst morgen (Sonntag!) Angelas Fahrrad ansehen könnte. Ob wir denn schon wüßten, wo wir übernachten würden. Wissen wir nicht, also werden wir obendrein auch noch eingeladen: Wir sollten doch im Garten zelten, dann können wir morgens gemeinsam frühstücken und dann geht's ans Fahrrad. Wir sind wirklich platt, diese Gastfreundschaft überrascht uns doch. Für die Reparatur am nächsten Morgen will der gute Mann dann auch noch kein Geld haben und nach einem herzlichen Abschied radeln wir mit einem satten Glücksgefühl weiter durch "unser" Irland.

 

Ein anstrengender Reisetag erwartet uns: Nicht das ständige Auf und Ab der irischen Hügellandschaft macht uns zu schaffen, sondern der Regen, der uns auf dem größten Teil der rund 60 km langen Etappe nach Kilkenny begleitet. Vor Carlow gibt es inmitten der Wiesen eine der ältesten Sehenswürdigkeiten Irlands zu sehen: Den Browns Hill Dolmen, dessen Deckplatte deutlich mehr als 100 Tonnen wiegt. Ein erneuter Regenschauer beendet unsere Rast dort und es geht weiter in die Stadt. Eigentlich wollten wir in Carlow bereits den Tag beenden, dort angekommen befinden wir jedoch, dass uns dieses graue Städtchen nicht zum Bleiben einläd (das Grau mag am Regen gelegen haben). Die wenigen Kilometer nach Kilkenny sollten doch noch zu schaffen sein und wir werden für diese Entscheidung auch belohnt: Kilkenny ist wirklich hübsch.

 

Kilkenny ist nicht nur die Heimat des leckeren Kilkenny Bieres, es ist auch in anderer Hinsicht typisch irisch: Zum einen gibt es eine riesige Kirche dort, die ein wenig überdimensioniert erscheint, was jedoch im katholischen Irland fast normal ist. Die Kirche ist trotzdem sehenswert, zumal der Blick vom Kirchturm wunderschön ist. Ebenso ist das Dachgebälk aus Holz reizvoll und bildet in seiner Schlichtheit einen starken Gegensatz zu dem sonstigen prunkvollen Interieur der Kirche. Zum anderen bezeugt Kilkenny eindrucksvoll den ungezwungenen Umgang der Iren mit ihrer Vergangenheit: Die von uns anhand eines Stadtplanes gesuchte Ruine einer alten Abtei finden wir erst, nachdem wir bereits zweimal direkt daran vorbeigelaufen sind. Sie befindet sich nämlich direkt auf dem Werksgelände der Kilkenny Brauerei und liefert eine merkwürdige Kulisse für die vielen Bierfässer, die hier auf dem Hof verladen werden.

 

 
Literatur:
 

Irland per Rad. Ein Fahrrad-Reiseführer. Wolfgang Kettler. Verlag Wolfgang Kettler, Neuenhagen, 1991. ISBN: 3-921939-37-2.

 

 
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