Modified: 15.06.2005

 

Von Adelaide aus bin ich mit einem Mietwagen die Südküste entlang gefahren. Der Weg führte zunächst durch den seltsam anmutenden Coorong Nationalpark, dann weiter bis zum Cape Bridgewater. Von dort bin ich dann die bekannte Great Ocean Road entlang gefahren und habe bei diversen interessanten Felsformationen und in einigen Regenwaldstücken Pausen eingelegt. Die Karte zeigt die gesamte Tour (die orangen Quadrate sind die wesentlichen Orte, die Ortsnamen werden angezeigt, wenn man mit dem Mauszeiger darauf zeigt).

 

 

Verlässt man Adelaide in südliche Richtung und fährt weiterhin an der Küste entlang, so gelangt man schon bald in den Coorong Nationalpark. Hier gibt es eine lange Halbinsel vor dem Festland, die einen Wall zum Ozean bildet, so dass zwischen der Halbinsel und dem Festland ein Stück geschützes, ruhiges Meer existiert. In diesem Biotop gibt es einige Inseln, die große Brutkolonien von Pelikanen beherbergen. Auf dem Festland existieren Reste von einigen Salzseen. Diese zeugen davon, dass das Land gelegentlich von Meerwasser geflutet wird, welches dann wieder verdunstet. Eine besondere Art von Algen bewirkt eine pinkfarbene Verfärbung mancher Salzseen, ein wirklich phänomenaler Anblick.

 

Vom Coorong Nationalpark aus bin ich immer an der Küste entlang weitergefahren, bis ich gegen abend Cape Bridgewater erreicht habe. Diese Spitze einer Halbinsel ist (zumindest außerhalb der Hochsaison) ein einsamer Ort, windgepeitscht schlagen unten die Wellen an den Fels, oben auf den Klippen halten sich einige spärliche Pflanzen fest, Regen ist hier auch kein seltener Gast. Als ich ankomme, sind bereits zwei Holländer mit ihrem Wohnmobil hier, ich nutze die Größe meines Kombis, in dem ich ganz ausgestreckt liegen kann. Im leichten Nieselregen koche ich mir noch Spaghetti, die Sonne verschwindet mitlerweile ganz und schlagartig ist es dunkel in dieser Gegend. Eine wundervolle, einsame Übernachtung mit dem gewissen "Ganz weit draußen" Gefühl.

 

Am nächsten Morgen schaue ich mir noch den Petrified Forest an, der nur ein paar Minuten zu Fuß entfernt ist. Hier sind tatsächlich nicht Bäume versteinert worden, sondern ihre äußere Form. Vermutlich wurde Muschelsand vom Meer hier heraufgeblasen, der sich um die Bäme ansammelte und sich an ihren Stämmen verfestigte. Die Bäme starben irgendwann und verrotteten, übrig blieb nur ihr Sandsteinmantel. Leider haben die meisten der Röhren schon ziemlich gelitten, nicht zuletzt wohl unter der Souvenirnachfrage der Touristen...

 

Von Cape Bridgewater geht es weiter an der Küste entlang nach Osten. die Portland Bay lasse ich ebenso hinter mir wie die Orte Port Fairy und Warnambool, dann beginnen die Attraktionen der Great Ocean Road. Von der Straße gibt es alle paar Minuten eine Abzweigung Richtung Küste, die erste Attraktion hier ist der Bay of Islands Nationalpark. In der Bucht gibt es tatsächlich Inseln, manche ragen wie hohe, dünne Pylonen aus dem Meer. Der Tag heute ist grau, regnerisch und stürmisch und gibt einen guten Eindruck von den Mächten der Natur, die hier walten. Kein Wunder, dass man den Küstenstreifen hier Shipwreck Coast nennt.

 

Der nächste Nationalpark lässt nicht lange auf sich warten, zum Port Campbell Nationalpark gehören die schönsten Attraktionen der Great Ocean Road. Die erste davon ist The Grotto, hier hat säurehaltiges Wasser den Sandstein aufgeweicht, so dass zunächst ein Loch entstanden ist, aus dem im weiteren Verlauf auch ein Durchbruch zum Meer herausgespült wurde. Sehr malerisch. Ein Stück weiter die Straße entlang folgt London Bridge, die tatsächlich Ähnlichkeit mit einer Brücke gehabt hat. Das Meer hat hier eine Landzunge an zwei Stellen unterspült, so dass Brückenbögen entstanden sind. Der Bogen zum Festland hin stürzte 1990 ein, so dass London Bridge nur noch einen Bogen besitzt. Auf London Bridge befanden sich während des Einsturzes des Bogens zwei Personen, die sich plötzlich auf einer Insel gefangen sahen. Die werden sicherlich ein ziemlich mulmiges Gefühl gehabt haben...

 

Ein weiteres Highlight der Strecke ist die Loch Ard Gorge. Es handelt sich hierbei um eine Bucht mit steilen Hängen, der Name Loch Ard stammt von einem Schiff, das hier 1878 Schiffbruch erlitt, wobei nur zwei der 54 Besatzungsmitglieder überlebten. Am Rande der Bucht gibt es einige spannende Dinge zu sehen, so entstehen an den Überhängen der Steilwände Stalagtiten, an anderen Stellen hat das Meer eine Höhle aus dem Fels gewaschen. Und über allem das lautstarke Rauschen der Wellen, die an den Wänden der Bucht entlang rollen. Einige Meter weiter gibt es noch eine weitere Bucht dieser Art, Thunder Cave und The Blowhole, ein tiefes Loch, das durch einen Tunnel mit dem Meer verbunden ist, so dass hier Wellen machtvoll hineinrollen können.

 

Wieder schwinge ich mich ins Auto und fahre nur eine viertel Stunde, dann komme ich zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Australiens: Hier stehen die Zwölf Apostel, vom Meer umspülte Überbleibsel des Festlandes, die als Felsnadeln emporragen. Der Anblick ist ziemlich ähnlich wie bei der Bay of Islands, sehr schön, aber sicher nicht schöner als all die anderen Buchten und Felsformationen der Great Ocean Road. Es ist also empfehlenswert, keine der eintägigen Bustouren von Melbourne zu den Twelve Apostels zu buchen: Die kehren nämlich genau hier schon wieder um, ohne Loch Ard Gorge, London Bridge und all die anderen besucht zu haben.

 

Nach all diesen felsigen Sehenswürdigkeiten geht es nun ein Stück weiter zu Landschaften ganz anderer Art: Die Straße verläuft weiter im Landesinneren, sie führt in ein Regenwaldgebiet. Ich nehme den Abzweig zum Melba Gully, einer feuchten Niederung, durch die ein schöner Wanderweg führt. Hier gibt es vor lauter Feuchtigkeit dauernden Nebel, beinahe mystisch tauchen große Farne aus dem Dunst auf. Der Wald hier sieht wirklich sehr urtümlich aus, tatsächlich wurden hier in der Umgebung auch Fossilien von Dinosauriern gefunden (wobei diese sicherlich nicht zwischen Eukalypten umherwanderten). Auf der Runde gibt es auch den Big Tree zu sehen, einen etwa 300 Jahre alten Otway Messmate Baum.

 

Der letzte Nationalpark auf dem Weg ist der Otway Nationalpark. Die Otway Ranges, eine gebirgige Landschaft, sind vollständig von Wald bedeckt. Auch hier führt ein Wanderweg in den Regenwald hinein, der Maits Rests Rainforest Walk. Farne dominieren hier die Vegetation, große Baumfarne werden hier einige Meter hoch. Nach einer Wanderung durch leichten Nieselregen bin ich dann doch recht froh wieder im Auto zu sitzen. Die Straße führt aus dem Feuchtgebiet heraus, Eukalyptusbäume sind nun vorherrschend. Und hier kommt am Ende meiner Great Ocean Road Tour noch eine schöne Überraschung auf mich zu: An einigen Stellen haben neugierige Touristen schon ihre Autos an der Straße abgestellt: Koalas sitzen hier in den Bäumen. Somit sehe ich die putzigen Tiere doch auch noch einmal dort, wo sie hingehören: In der Wildnis. Sehr gemächlich bewegen sie sich, langsam kauen sie Eukalyptusblätter, Langsamkeit ist die Maxime der Koalas.

 

Und nach diesen ganzen Sehenswürdigkeiten rausche ich den Rest der Great Ocean Road entlang, die hier endlich ihren Namen zu Recht trägt: Sie führt direkt am Steilufer entlang und bietet wundervolle Ausblicke über das Meer. Ich bin allerdings schon ganz schön gesättigt mit schönen Eindrücken und düse so schnell wie möglich in Richtung Melbourne. 1100km habe ich in diesen zwei Tagen zurückgelegt, sehr viel gesehen, eine wundervolle Tour. In Melbourne beginne ich, meine Rückreise nach Deutschland zu organisieren, ein Fahrradkarton muss her, damit mein Bike wenigstens halbwegs unversehrt ankommt, das große Packen beginnt so langsam. Die letzten Tage in Melbourne verbringe ich mit Shoppen, in Cafés und im besten Hostel der Welt, ich unternehme noch etwas mit Evelyn, die noch hier weilt, bevor es sie nach Tasmanien zieht. Und am 13. Dezember ist es dann soweit: Es geht mit dem Bus zum Flughafen und dann zurück. Nach zweieinhalb Monaten endet meine Reise, und irgendwie fühlt sich das auch gut an: Ich habe so viel gesehen in diesen Tagen, das alles muss nun erst einmal in Ruhe einsinken...

 

Hier endet die Reise, also geht es nur noch zurück zum Abschnitt über  Adelaide. Oder aber nach oben zum  Überblick.

 

 
Literatur:
 

Australien. Anne Dehne. Stefan Loose Verlag, Berlin, 2001. ISBN: 3-922025-58-7.

Australia Road Atlas. Lonely Planet Publications Pty Ltd, Footscray, Victoria, Australia, August 2000. ISBN: 1-86450-065-4.

Cycling Australia. Lonely Plane Publications Pty Ltd, Footscray, Victoria, Australia, April 2001. ISBN: 1-86450-166-9.

 

 
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