Modified: 22.05.2005

 

Nachdem Jana und ich abends in Saint Kilda angekommen waren, haben wir gleich wieder unsere Sachen gepackt. Mein Fahrrad ist diesmal im Hostel geblieben, ein kurzer Besuch im Zentrum, und schon hatte ich einen anständigen Rucksack gekauft, und um 13:00 ging unser Flug nach Tasmanien. Absolutes Eiltempo. Hobart war eine sehr angenehme Überraschung: Mit seinen 150.000 Einwohnern ist Hobart noch sehr beschaulich, die Gebäude sehen sehr europäisch aus, in den Läden bemerkt man insbesondere um diese Jahreszeit den starken Einfluss deutscher Einwanderer: Natürlich kauft man hier zu Weihnachten Christstollen, Butterstollen, Marzipanstollen oder Pfeffernüsse, ansonsten gibt es ein Delikatessengeschäft namens "Wursthaus" usw. Auch hier nisten wir uns in einem netten Hostel ein, ich brenne noch einmal alle meine Speicherkarten meiner Digicam auf CD, und am nächsten Tag geht es auch gleich weiter: Wir nehmen uns einen Mietwagen und erkunden die Insel.

 

Zunächst fahren wir gen Osten auf die Tasman Peninsula, wo sich auch Port Douglas, die Keimzelle der Tasmanischen Besiedlung durch die Europäer, befindet. Von dort geht es an der Küste entlang nach Norden zum Freycinet Nationalpark, dann weiter ins Landesinnere nach Launceston. Von hier folgt eine Schleife nach Westen, wobei wir den Cradle Mountain - Lake Saint Clair Nationalpark besuchen. Zurück geht es für mich dann wieder von Launceston. Die Karte zeigt unsere gesamte Tour (die orangen Quadrate sind die wesentlichen Orte, die Ortsnamen werden angezeigt, wenn man mit dem Mauszeiger darauf zeigt).

 

 

Von Hobart aus geht es recht zügig nach Osten zur Tasman Peninsula. Von Norden fährt man über die Landenge Eaglehawk's Neck auf die Halbinsel, die Straße führt an der Ostküste der Insel entlang. Immer wieder gibt es kurze Abstecher an die Steilküste, wo man erstaunliche Dinge sehen kann. Einer der ersten Abzweige führt zum Tesselated Pavement. Eine Laune der Natur hat hier den Boden aus Basalt so geformt wie ein Kopfsteinpflaster, an manchen Stellen sieht es wirklich exakt so aus wie von Menschenhand gemacht! Im weiteren Verlauf der Steilküste gibt es immer wieder kleine, enge Schluchten mit markanten Namen (Devils Kitchen), z.T. überspannt von Felsbögen, wie z.B. der Tasman Arch, eine sehr beeindruckende Landschaft.

 

Im Süden der Tasman Peninsula liegt Port Arthur, ein wichtiges historisches Monument in der neueren Geschichte Tasmaniens. Die Besiedlung der Insel durch die Europäer erfolgte nämlich nicht ganz freiwillig, aus England wurden zunächst politische Gefangene hierher verbannt. So entdeckt man hier viele Hinweise auf irische und schottische Widerständler, einige prominente Köpfe der Young Irish Bewegung mussten hier ein paar Jahre verbringen. Die weitere Dokumentation der Gebäude zeichnet die Entwicklung Port Arthurs vom Arbeitslager zu einem Modell-Gefängnis nach. Insgesamt ist es erstaunlich, wie viel Europäische Geschichte hier in der Luft liegt.

 

Es geht wieder zurück gen Norden, wir folgen der Ostküste Tasmaniens. Nachdem wir die Tasman Peninsula verlassen haben, geht es über eine unasphaltierte Straße durch den Wielangta State Forest, wo man von einem Hügel einen schönen Ausblick bis auf's Meer hat. Später läft die Straße dann wieder dicht an der Küste entlang, vorbei geht es an der Little Swan Bay und einigen Stränden, von denen uns Spiky Beach zu einem kurzen Aufenthalt einlud. Am späten Nachmittag treffen wir dann in Coles Bay ein, dem Einfallstor zum Freycinet Nationalpark. Von hier aus kann man über die Bucht bereits einen Blick auf die westliche Hügelkette des Parks, die Hazards werfen. Passenderweise ging zu diesem Zeitpunkt gerade die Sonne unter, so dass alles in ein wundervolles, rötliches Licht getaucht war.

 

Im Freycinet Nationalpark gehen wir vom Parkplatz hinaus auf den Whineglass Lookout, von dem aus man auf die berühmte Whineglass Bay hinunterschauen kann. Diese hat ihren Namen von ihrer sehr gleichmäßigen Rundung, die tatsächlich ein wenig an die bauchige Form eines Weinglases erinnert. Wir gehen hinunter zum weißen Strand dieser Bucht, genießen eine Weile die Sonne und wandern dann quer durch das innere der Halbinsel auf die Westseite des Parks. Hierbei passiert man mehrere Binnenseen, spaziert durch teils abgebranntes Buschwerk und durch einige Dünen, bis der westliche Strand erreicht ist. An diesem finden sich Unmengen von recht hübschen Muscheln. Hinter dem Strand führt der Weg bergauf, es geht an den Hazards entlang, die wir somit am Ende einmal umrundet haben. Mittlerweile ist das Wetter ziemlich warm geworden, genügend Trinkwasser haben wir zum Glück dabei.

 

Am Nachmittag beginnt unsere Fahrt quer durch Tasmanien, es geht in Richtung Mitte, Launceston ist das Ziel. Launceston ist die zweitgrößte Stadt der Insel, hat noch einen großen Bestand an alten Gebäuden und besitzt für alle, die Tasmanien näher kennenlernen wollen, unglaublich viele gute Geschäfte, die Campingausrüstung etc verkaufen. Wir nutzen die Gelegenheit, unsere Bilder auf CDs zu brennen, kaufen Kartenmaterial für die nächsten Nationalparks und ruhen uns ein wenig aus. In Launceston treffe ich auch Bridgette wieder, die ich bei meiner vorigen  Reise in die Pyrenäen kennengelernt habe.

 

Launceston bietet auch noch weitere Gelegenheiten zum Entspannen, besonders erwähnenswert ist die Cataract Gorge, eine Felsschlucht, die z.T. von Menschenhand umgestaltet wurde und beispielsweise mit einem Schwimmbad, aber auch mit der schönen Landschaft lockt. Ebenfalls sehenswert ist das Tasmanian Wood Design Center direkt neben dem Affengehege im Stadtpark. Hier werden exzellente internationale und tasmanische Möbel und Designgegegnstände gezeigt. Tasmanien ist bekannt für seine guten Holzarbeiten und Hölzer, letzteres hat allerdings einen starken Raubbau an den tasmanischen Wäldern zur Folge.

 

Von Launceston geht es nach Westen, unser Ziel ist der Nationalpark Cradle Mountain - Lake Saint Clair, der zum UNESCO World Heritage gehört. Hier wurde eine wundervolle Gebirgslandschaft unter Schutz gestellt, die auf der Welt ihresgleichen sucht. Unsere Ankunft wird von Tasmanischem Wetter begleitet: Es regnet in Strömen, der Wind bläst und die Wanderer, die von der Hochebene hinunterkommen, schimpfen über waagerecht fallenden Schneeregen... Da kommt Vorfreude auf unsere geplante Wanderung auf. Doch wider Erwarten scheint am nächsten Tag die Sonne und wir fahren hinunter zum Lake Dove.

 

Der Blick über den Lake Dove ist wohl das bekannteste Panorama Tasmaniens, über dem See thront Mount Cradle, dessen Gipfel von Schnee bedeckt ist. Auf der Westseite des Sees steigen wir steil bergan auf den Marions Lookout. Hier ist man schon auf der Höhe des Hochplateaus und hat einen wundervollen Blick hinunter auf den See und hinüber zum Mount Cradle. Hier oben machen wir erst einmal eine Pause und wandern von nun an ein kleines Stück auf dem  Overland Track, einem insgesamt 80km langen Wanderweg durch den Park, den ich ein paar Tage später allein bewältigen werde.

 

Unser Weg biegt allerdings hinter Mount Cradle vom Overland Track ab, wir wandern in einer zwei tägigen Tour einmal um den Berg herum und übernachten in der Scott-Kilvert Memorial Hut. Die Wanderung liefert tolle Ausblicke auf Mount Cradle, in der Ferne ist der merkwürdig geformte zylindrische Gipfel des Barn Bluff zu sehen, etwas später steigen wir mit überwältigendem Blick ins Tal hinab, wobei ein Schwarm grüner Rosellas dicht an uns vorbei fliegt und sich mit unglaublichem Geschrei in die Tiefe stürzt: Was für ein Papageien-Leben. Die Übernachtung in der Hütte ist sehr kalt, es gibt keine Kohle für den vorhandenen Ofen, so dass wir uns eine warme Suppe nach der anderen einflößen, bis wir uns hinlegen. Am nächsten Tag stehen wir recht früh auf und wandern los, das Wetter begrüßt uns mit Nieselregen und Nebel. Trotzdem ist die Tour vorbei an vielen kleinen Seen sehr schön, Flynns Tarn, Artists Pool, Twisted Lakes und Lake Hanson liegen im Hochmoor und sind im Nebel wie verzaubert. Als wir am Lake Dove wieder ankommen, sind wir jedoch auch schon recht ausgekühlt und durchnässt, heilfroh steigen wir ins Auto und verlassen diesen wundervollen Park.

 

Wir machen uns auf nach Strahan, dem einzigen Ort an der Westküste Tasmaniens. Strahan ist ein beschauliches Städtchen, ein sehr nettes Hostel wird unsere Unterkunft, wir schauen noch einmal auf's Ufer, zu mehr können wir uns allerdings auch nicht mehr aufraffen. In Strahan beginnen einige Bootsfahrten auf dem Franklin River, von denen man einen ersten Einblick in den Wild Rivers Nationalpark erhaschen kann, aber wir sind nicht darauf aus, eine Tour zu buchen.Wir fahren am nächsten Tag nach Queenstown im Landesinnern, wo sich uns eine surreale Landschaft präsentiert: In Queenstown wurde viele Jahre Metall gewonnen, allerdings nicht durch das anlegen unterirdischer Bergwerke, sondern im Tagebau. Ganze Berge wurden einfach umgewühlt, die vorhandenen Wälder abgeholzt und zum Heizen der Schmelzöfen verwendet. Die Abgase gaben der Vegetation hier den Todesstoß, nackt und kahl liegen die Hügel vor uns. Erst nach etwa 20 Jahren, in denen der Bergbau hier fast zum Stillstand gekommen war, besiedelten einzelne Pflanzen die nackten Felswände erneut, ein Anblick, der zugleich unter die Haut geht und fasziniert. Und ein Mahnmal für umweltverträgliches Handeln der Menschen.

 

Unsere nächste Station ist das südliche Ende des Nationalparks Cradle Mountain - Lake Saint Clair. Hier liegt der riesengroße Lake Saint Clair inmitten eines Tales, um ihn herum wächst beeindruckend dichter Regenwald. Besonders malerisch sind die alten, toten Baumstämme, die hin und wieder am Ufer liegen, graues, ausgeblichenes Holz zeugt vom Lauf der Zeit. Hier bekommen wir auch ganze Scharen von Padimelons zu Gesicht, kleine Bergkänguruhs mit einer mausähnlichen Kopfform, die nur in Tasmanien heimisch sind. Eine kurze Wanderung auf dem Aboriginal Track führt uns durch die ganze Vielfalt der Vegetations, dichter Regenwald wechselt sich ab mit gelben Button Grass Ebenen. Und am Ufer des Sees läßt sich auch ein Schnabeltier blicken. Ich schaffe es sogar noch, mir im nahegelegenen Ort Derwent Bridge ein Brot zu organisieren, denn morgen werde ich mich auf den Weg durch den Park machen: Der Overland Track ruft.

 

Am nächsten Morgen trennen sich also unsere Wege: Jana fährt mit dem Mietwagen zurück nach Hobart und verlässt Tasmanien, ich mache mich auf den 80km langen Overland Track, der einmal durch den gesamten Nationalpark hindurch führt. Die ersten 17km geht es auf der Westseite des Lake Saint Clair entlang, immer durch den dichten Regenwald, der nur von Zeit zu Zeit den Blick auf den See freigibt. Heute ist es noch recht trübes Wetter, es sind nicht viele Wanderer hier unterwegs. Es regnet jedoch nicht, so dass der Weg bis zum Nordwestende des Sees zügig vorangeht. Immer wieder wechselt die Vegetation, in feuchten Niederungen wachsen riesige Baumfarne, dann wieder prägen riesige Bäume und dichtes Unterholz die Landschaft. Und endlich erreiche ich die Narcissus Hut, an der ich eine Rast einlege. Mein Rucksack wiegt etwa 23kg, er enthält neben der Verpflegung für etwa sieben Tage noch Kocher, Zelt und Schlafsack, ich trage auch einige Gegenstände, die ich erst nach dem Overland Track wieder brauchen werde, mit mir herum. Trotzdem macht mir das Gewicht noch nicht zu schaffen, so dass ich beschließe, die nächsten 7km bis zur Windy Ridge Hut weiterzugehen.

 

Der Weg führt nun vom Ufer des Lake Saint Clair weg in die Hochebene, erste Button Gras Arreale geben den Blick auf die umliegenden Gipfel frei. Eine etwas abenteuerlich anmutende Hängebrücke quert einen Fluss, der Weg führt nun jedoch auch oft über Holzstege, so dass ich recht zügig vorankomme. Dafür lässt sich die Sonne vermehrt blicken, es wird richtig heiss, es bleibt also durchaus anstrengend. Am Nachmittag bin ich dann doch recht geschafft als endlich recht unvermittelt die Windy Ridge Hütte am Wegesrand auftaucht. Ich unterhalte mich noch nett mit einem Melbourner tschechischer Herkunft, liege dann aber auch schon um 20:00 Uhr in meinem Schlafsack und kann nach 24km Wanderung auch trotz schnarchender Mitmenschen ziemlich gut schlafen.

 

Relativ früh breche ich auf, um an diesem Tag die wesentliche Steigung zum Pelion Gap anzugehen. Der Weg steigt hinter der Hütte steil an, führt noch einmal durch ein großes Stück Regenwald, einige Abstecher führen zu sehenswerten Wasserfällen. Ich schaue mir nur einen davon an, die Fergusson Falls, sie liegen mitten im dichten Wald, Moose, Flechten und einige leuchtend orange Pilze besiedeln das Unterholz, ein echter Märchenwald. Etwas später verlässt der Weg den Wald, bald schon passiert er die über hundert Jahre alte Du Cane Hut, ein Museumsstück, das nur noch als Notunterkunft benutzt werden darf. Gegen Mittag erreiche ich die neuere Kia Ora Hut, mache eine ausgiebige Mittagspause und wandere wieder in meinem recht schnellen Tempo weiter.

 

Es folgt der Anstieg zum Pelion Gap, der Pass mit 1126m Höhe bildet den höchsten Punkt des Overland Tracks. Zur Linken blickt man auf Mount Ossa, den höchsten Berg Tasmaniens, zur rechten liegt Mount Pelion East. Der Blick in die Weite ist herrlich, an einer Wegkreuzung zweigen Tracks zu den beiden Gipfeln ab. Von nun an geht es wieder hinunter und es ich nicht mehr weit bis zur New Pelion Hut, einer großen und modernen Hütte. In mehreren Schlafräumen finden bis zu 60 Personen Platz, doch als ich gegen 15:00 Uhr ankommen, bin ich zunächst allein. Mit der Zeit trudeln einzelne Gäste ein, es werden jedoch nicht sehr viele. Somit bekommt jede Gruppe ihren eigenen Schlafraum, ich verbringe die Nacht also im Einzelzimmer! Was für ein Luxus. Zuvor koche ich noch Nudeln mit Tomatensauce und tausche noch mit einem netten dänischen Ehepaar etwas von meinem Parmesan gegen ein Glas Rotwein, erstaunlich, was die Leute hier oben so mit sich herumtragen. Auf diese Weise können wir alle einen richtigen italienischen Abend feiern, wir machen noch Fotos vom Mount Oakleigh, der malerisch direkt vor der Hütte liegt, dann geht es aber für alle wieder früh ins Bett.

 

Und wieder geht es recht früh morgens weiter, als erster verlasse ich die Hütte, die anderen wandern ohnehin alle in die Gegenrichtung. Der Weg führt nach Westen in die Frog Flats. Hier bekomme ich auch einige Schlangen zu Gesicht, die sich in der Regel auf ein paar Meter Entfernung zurückziehen. Alle drei Schlangenarten in Tasmanien sind giftig, so dass ein wenig Vorsicht geboten ist. Eine der Schlangen verkriecht sich vor mir unter die Holzplanken des Weges, mit einem recht mulmigen Gefühl gehe ich über die Stelle hinweg. Alles halb so schlimm. Danach geht es wieder ein Stück bergan, der Weg verläuft am Osthang des Mount Pelion West entlang. Hier treffe ich einen Melbourner, der auf der Suche nach dem alten Pfad zum Gipfel des Berges ist. Er ist bereits das vierte Mal auf dem Overland Track unterwegs und hat sich diesmal 12 Tage Zeit dafür genommen, um auch auf jeden Gipfel hinaufzusteigen. Zum Vergleich: Ich nehme kaum irgendwelche Abstecher vom Weg und werde insgesamt nicht einmal vier Tage für den ganzen Track brauchen. Etwas mehr Zeit darf man sich schon gerne nehmen, aber hinterher ist man ja immer etwas schlauer.

 

Die Strecke verläuft nun immer ein wenig auf und ab durch die Landschaft, es geht durch eine große Ebene, die von einigen Seen verziert wird. Mühelos passiere ich den Lake Curran und gelange zur Windermere Hut, von der aus man Lake Windermere bereits sehen kann. Es ist jedoch noch nicht spät und ich beschließe, auch an diesem Tag eine Hütte auszulassen. Also wandere ich am See vorbei, passiere den faszinierend geformten Barn Bluff und überquere eine letzte Hügelkette, die mich vom Waterfall Valley trennt. Hier mache ich es mir in der neuen Hütte gemütlich, ich bekomme Gesellschaft von 9 jugendlichen Australien, die nach ihrem Schulabschluss zwecks Erholung gemeinsam den Overland Track absolvieren. Direkt vor der Hütte suchen auch noch einige Padimelons (kleine Bergkänguruhs) etwas Nahrung. Die Nacht verläuft wider Erwarten ruhig, die Jugendlichen sind offenbar auch geschafft vom Wandern. Am nächsten Morgen packe ich sehr früh meine Sachen zusammen, um 5:30 breche ich auf. Der Grund für diese morgendliche Aktion ist der Bus, der heute gegen 9:30 vom Cradle Valley nach Launceston fährt. Der nächste Bus verlässt das Tal erst am Folgetag um 16:30, da mache ich doch lieber eine sehr frühe Wanderung. Beim Verlassen des Waterfall Valleys wandere ich hinauf durch die tief hängenden Frühnebel, von oben kann man auf die sonnenbeschienenen Wolken schauen, ein faszinierender Anblick.

 

Oben angelangt geht es über die Ebene zum Mount Cradle, ein Weg, den ich bereits von meiner  ersten Wanderung im Nationalpark kenne. Entsprechend schnell passiere ich die Kitchen Hut und gelange zum Marions Lookout, wo ich nun dem Overland Track hinunter ins Tal folge. Vorbei geht es noch am Crater Lake und an den Fällen vom Ronny Creek, dann bin ich auch schon am Parkplatz und nehme den Shuttle-Bus zum Visitor Center. Ich habe sogar noch mehr als eine Stunde Zeit, so dass ich hier noch ein wenig herumstreune. Dabei finde ich neben dem Visitor Center noch einen Echidna, einen Stacheligel, der hier unbeirrt von meiner Annäherung weiter nach Nahrung sucht. Selten habe ich so viel Natur erlebt, so viele Tiere in der Wildnis angetroffen, und so viel gutes Wetter gehabt: Kein Tropfen Regen ist an diesen vier Tagen gefallen, das hätte auch anders aussehen können. Ziemlich geschafft, aber auch sehr glücklich steige ich in den Bus und fahre zurück in die Zivilisation nach Launceston.

 

Von Launceston aus unternehme ich noch eine Tour in den Walls of Jerusalem Nationalpark. Dieser liegt östlich vom Cradle Mountain Park, man erreicht ihn nur über eine etwa 20km lange Stichstraße. Vom Parkplatz aus muss man zunächst etwa 800m Anstieg bis hinauf auf ein Hochplateau bewätigen, das ist natürlich nicht jedermanns Sache. Daher trifft man in diesem Park auch deutlich weniger Touristen. Der Weg führt noch eine ganze Weile durch eine Hochmoorlandschaft, bis man endlich an den Eingang zu dem Tal trifft, das von den Walls of Jerusalem umringt ist: Herodes Gate. Die vielen Bibelnamen gehen zurück auf einige chrsitliche Siedler, die hier in der Abgeschiedenheit gelebt haben. die Landschaft hier wirkt ganz anders als die Täler um den Mount Cradle herum, obwohl dieser in der Luftlinie gar nicht weit entfernt ist. Heideähnliche Pflanzen bilden eine grüne Ebene, in der einige malerische Seen liegen. Ich selbst bin noch bis zum Fuße des Mount Jerusalem weitergewandert, der Rückweg schien mir dann aber auch ziemlich lang zu sein, so dass ich am späten Nachmittag erst wieder den Wagen erreiche. Wieder erfüllt von der wundervollen Szenerie dieses Parks geht es zurück nach Launceston.

 

Launceston bildet den Endpunkt meiner zweiwöchigen Tasmanien-Reise. Ich habe in dieser kurzen Zeit sehr viel gesehen und erlebt und würde Tasmanien als das größte Highlight meiner Australienreise bezeichnen. Von hier fliege ich endgültig zurück auf den australischen Kontinent nach Melbourne.

 

Auf der nächsten Seite folgt die  Fortsetzung dieser Reise, oder es geht zurück zum Abschnitt über die  Umgebung von Melbourne. Oder aber nach oben zum  Überblick.

 

 
Literatur:
 

Australien. Anne Dehne. Stefan Loose Verlag, Berlin, 2001. ISBN: 3-922025-58-7.

Australia Road Atlas. Lonely Planet Publications Pty Ltd, Footscray, Victoria, Australia, August 2000. ISBN: 1-86450-065-4.

Cycling Australia. Lonely Plane Publications Pty Ltd, Footscray, Victoria, Australia, April 2001. ISBN: 1-86450-166-9.

 

 
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