Modified: 28.04.2005

 

Von Bairnsdale bin ich mit dem Zug bis nach Trafalgar gefahren, wo nach einigen Minuten des Wartens Jana mit dem Wagen aufkreuzte, um mich einzuladen. Unglücklicherweise war der Wagen nicht gerade sehr groß ausgefallen, mein Fahrrad musste also ein wenig zerlegt werden, um hineinzupassen, aber auch das ließ sich natürlich machen. Wir sind dann zunächst in Richtung Süden gefahren, die Halbinsel des Wilsons Promontory Nationalpark war unser erstes Ziel. Danach führte unser Weg nach Philipp Island und dann weiter in den Nordosten von Melbourne, in das wunderschöne Yarra Valley, einem Tal, in dem es noch alte Regenwaldgebiete gibt. Und dann ging's hinein nach Saint Kilda, einem Vorort von Melbourne, wo wir den Mietwagen wieder abgeben mussten. Die Karte zeigt unsere gesamte Tour (die orangen Quadrate sind die wesentlichen Orte, die Ortsnamen werden angezeigt, wenn man mit dem Mauszeiger darauf zeigt).

 

 

Als wir von Trafalgar aus losdüsen, ist es schon spät nachmittags, also kümmere ich mich schon einmal telefonisch um eine Unterkunft, während Jana am Steuer den Kurs nach Süden einschlägt: Der Nationalpark Wilsons Promontory ist unser Ziel. Im Ort Fish Creek, wenige Kilometer vor dem Nationalpark, reserviere ich ein Zimmer, offenbar in einem etwas heruntergekommenen Pub. Aber was solls, wir kriegen trotz der abendlichen Stunde noch eine riesige Portion Pommes Frites mit drei verschiedenen Saucen, die Zimmer sind durchaus ok, wenn auch ziemlich alt, aber aus Mangel an Alternativen würde man ohnehin nicht besser unterkommen und der Erlebniswert des Hauses ist wirklich groß: Sieht auch alles ein wenig ungepflegt aus, die Leute dort sind echte Schätze! Am Morgen wird extra für uns noch ein Kaffee gekocht und auf's Zimmer gebracht, echter Luxus. Und dann brechen wir auch schon auf zum "Wilsons Prom".

 

Die ersten Verkehrsschilder weisen bereits darauf hin: Hier gibt es Känguruhs und Wombats. Und kaum fahren wir in den Park hinein, läuft uns das erste Wombat auch schon über den Weg: Es sitzt gemütlich am Straßenrand und futtert und lässt sich dabei auch durch unsere Anwesenheit nicht stören. Die Zufahrt in den Park führt zunächst durch eine große, teils bewaldete Ebene, dann erst kommt man in die typische Prom-Landschaft: Es wird felsig.

 

Wir fahren bis Tidal River, wo sich ein riesiger Zeltplatz, ein Visitor Center und einige Parkplätze befinden. Dort gibt es erst einmal ein zünftiges Frühstück, wobei uns einige gefiederte Freunde Gesellschaft leisten, die es auf unser Essen abgesehen haben. Wir beginnen eine Wanderung, die uns an der Westküste entlang führt und gelangen von der Norman Bay an die Little Oberon Bay und weiter an die Oberon Bay selbst. Die Küste selbst ist geprägt von leuchtend orangen Felsen, die Farbe stammt von den Krustenflechten, die auf dem Stein wachsen. Von der Oberon Bay gelingt es uns leider nicht, den Rundweg durch das Landesinnere zu erreichen, der hohe Wasserstand im Fluss und der ständige Regen lassen uns umkehren. Etwas geschafft und durchnässt erreichen wir wieder den Parkplatz und düsen wieder hinunter von der Halbinsel.

 

Wir fahren die Küste entlang nach Westen und suchen uns eine Unterkunft auf Philip Island. Diese Insel ist bekannt für ihre Penguin Parade, jeden Morgen watscheln tausende kleiner Pinguine über den Strand ins Meer, abends geht es wieder zurück. Morgens um 5:00 klingelt zwar unser Wecker, aber wir beschließen, bei dem aktuellen Regenwetter lieber noch ein wenig zu schlafen und nicht zu den Pinguinen zu fahren. Das ist wohl auch ganz gut so, denn im Laufe des Vormittags kommen wir noch an diesen Platz: Alles ist abgesperrt, um den Touristen auch ja noch ein Eintrittsgeld abzunehmen, unglaublich viele Reisebusse schaufeln Menschenmassen herbei, das ist nichts für uns. Wir fahren noch kruz zu den Nobbies, der felsigen Westküste der Insel, doch bei Regenwetter reizt uns auch dieser Anblick nicht.

 

Wieder auf dem Festland fahren wir gen Norden ins Yarra Valley, einer sehr schönen, bewaldteten Landschaft, die viele Melbourner gerne als Ausflugsziel aufsuchen. Hier stehen noch sehr viele alte Bäume, in dunklen Ferngullys (also kleinen Niederungen) wachsen riesige Baumfarne, eine sehr beeindruckende Gegend. Der erste Ort, den wir anlaufen, ist Warburton, ein Städtchen, das nur aus kleinen Häusern mit gemütlichen Cafés zu bestehen scheint. Der erste Anblick täuscht nicht: Warburton ist eine Bastion der englischen Kultur. Somit können wir gar nicht anders und genießen eine Teatime mit Scones.

 

Wir fahren eine große Runde durch das Yarra Valley, von Warburton im Osten geht es bis nach Maryville in den Norden, von dort westlich wieder hinunter bis nach Healesville. Die Straße führt dabei durch wundervollen Regenwald, überall laden Wanderwege dazu ein, die Landschaft etwas näher zu erkunden. In Healesville sind wir denn auch wieder so hungrig, dass eine Pizza den Weg in unseren Magen finden muss, um dem akuten Verhungern entgegenzuwirken. Im Dunkeln fahren wir dann nach Melbourne, wobei mir die Aufgabe des Navigators zufällt: Nicht ganz leicht, anhand eines groben Übersichtplanes und unglaublich vielen Detailkarten unseren Weg zu verfolgen und die richtige Richtung anzusagen, aber es klappt doch auf Anhieb. Wir erreichen Saint Kilda, einen schönen Bezirk von Melbourne, ursprünglich ein mondäner Badeort. Das beste Hostel der Welt (welches wird nicht verraten) empfängt uns mit offenen Armen...

 

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Literatur:
 

Australien. Anne Dehne. Stefan Loose Verlag, Berlin, 2001. ISBN: 3-922025-58-7.

Australia Road Atlas. Lonely Planet Publications Pty Ltd, Footscray, Victoria, Australia, August 2000. ISBN: 1-86450-065-4.

Cycling Australia. Lonely Plane Publications Pty Ltd, Footscray, Victoria, Australia, April 2001. ISBN: 1-86450-166-9.

 

 
 
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