Modified: 22.05.2005

 

Der Ort Hervey Bay ist das Tor zu Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt, wenn man den Werbebroschüren Glauben schenken darf. In jedem Fall ist Fraser Island eine sehr abwechslungsreiche, erstaunliche Insel und gehört zum UNESCO World Heritage. Genauso sehenswert ist allerdings auch die Hervey Bay, die halbkreisförmige, große Bucht zwischen dem Festland und Fraser Island. Sie ist unter anderem ein bevorzugter Aufenthaltsort von Buckelwalen.

 

Wir sind morgens nach einer langen Nacht im Bus in Hervey Bay angekommen, haben erst einmal eingecheckt und waren an sich durchaus erholungsbedürftig. Ich habe allerdings doch gleich effizient die Zeit genutzt und uns für den Nachmittag gleich zu einer Whale Watching Tour angemeldet. Und somit sind wir dann gegen 13:00 Uhr in den Shuttle Bus zum Hafen gestiegen, um dort an Bord der Tasman Venture zu gehen, einem großen Katamaran. Das Boot macht erstaunlich viel Tempo, wir rasen förmlich über die große Bucht, zunächst an der Westseite von Fraser Island entlang nach Norden. Es dauert nicht lange, bis wir die erste Begegnung mit einigen Walen haben. Wenn die Wale sich zurückziehen, suchen wir jeweils andere Stellen auf, wo andere Wale gesichtet wurden, insgesamt sehen wir etwa 10 Wale. Zweimal handelt es sich um eine Walmutter mit Jungem. Das hat für uns Neugierige den Vorteil, dass das Waljunge noch nicht sehr lange tauchen kann, ohne zwischendurch an der Oberfläche Luft zu holen. Somit sind die beiden alle paar Minuten wieder zu sehen. Die Wale sind aber auch durchaus neugierig, einmal schwimmen Mutter und Junges direkt unter unserem Boot hindurch. Alles in allem ein erstaunlicher Trip, zumal ich nicht damit gerechnet hatte, dass es um diese Jahreszeit (zweite Hälfte Oktober) noch Wale hier zu sehen gibt. Andererseits gibt es auch erste Forschungsergebnisse, die darauf schließen lassen, dass die Zahl der Wale hier abnimmt, da die Tiere sich zunehmend gestört fühlen. Wie erhält man das Interesse der Menschen an den Wundern der Natur, ohne dass diese dabei gestört wird?

 

Die selbe Frage stellt sich natürlich auch für Fraser Island, hier kommen an langen Wochenenden (insbesondere um Ostern) mehrere zehntausend Menschen vorbei, bis zu 10000 Autos sind deutlich mehr, als die Natur hier auf Dauer verkraften kann. Wir waren in der glücklichen Situation, recht einsam auf der Insel zu sein, da das Wetter vorher und an unserem ersten Tag sehr regnerisch war. Die Karte zeigt unsere gesamte Tour (die orangen Quadrate sind die wesentlichen Orte, die Ortsnamen werden angezeigt, wenn man mit dem Mauszeiger darauf zeigt).

 

 

Zunächst wurden die Reisenden des heutigen Tages in Gruppen eingeteilt, wobei wir das Glück hatten, in eine sehr nette Crew zu kommen, die gut harmonierte. Ein paar Anleitungen per Video, noch Fragen? Keine. Dann in die Autos. Wir fahren erst zu einer großen Garage, um die ganze Campingausrüstung einzuladen, dann sind wir auf uns gestellt und müssen den lokalen Supermarkt plündern, um in den nächsten Tagen nicht zu verhungern. Danach fahren wir hinaus nach River Head, von wo unsere Fähre uns nach Fraser Island schifft. An Bord sind wir nur zwei Fahrzeuge, mehr Leute hatten bei diesem Wetter offenbar keine Lust: Auch gut.

 

Auf der Fähre regnet es wieder in Strömen, aber als wir ankommen, sieht es schon ein wenig heller aus. Das Kingfisher Bay Resort besteht nur aus ein paar Häusern, dem Fähranleger und einer Tankstelle. Hier shoppen wir noch letzte Dinge, senken den Luftdruck auf unseren Reifen und dann geht es los. Wir haben den Routenvorschlag unserer Reiseveranstalter sofort geknickt, wer will bei diesem Wetter schon an den Lake McKenzie zum Baden? Also fahren wir direkt gen Norden durch den Regenwald. Als die asphaltierte Straße aufhört bin ich mir nicht sicher, ob diese Modder-Piste wirklich die Hauptroute nach Norden sein soll. Ist sie aber. Was auf Landkarten hier wie Straßen aussieht, sind echte Herausforderungen für einen Geländewagen. Aber unser Toyota Landcruiser macht das Fahren wirklich zu einem Kinderspiel. Es geht durch herrlichen Regenwald, hin und wieder kommen wir durch abgebrannte Teile (was in Australien ja ganz normal ist). Hier am Weg begegnen wir dann auch dem ersten Dingo, einem jener wilden Hunde, die auf Fraser Island noch sehr reinrassig sind. Schöne und auch neugierige Tiere, aber natürlich auch noch wild und keine Kuscheltiere.

 

Wir machen eine recht verregnete Rast am Urang Creek, wo die Mangroven die Landschaft bestimmen. Dann geht es noch ein kleines Stück weiter, diesmal durch Nadelwald, bis wir am Woody Point die Westküste der Insel erreichen. Das Wetter klart deutlich auf, es ist sogar erstmalig heute ein wenig Sonne zu sehen. Hier am Strand herrscht eine einmalige Ruhe, die Vegetation ist verblüffend, es haben sich zwischen die Mangroven und die flechtenbewachsenen Nadelbäume auch ein paar Kakteen gesellt, am Strand glitzern Reste von Quallen in der Sonne. Surreal.

 

Den letzten Zwischenstopp legen wir am Lake Garrawongera ein, der sehr idyllisch mitten im Wald gelegen ist. Ein schöner Sandstrand, ein erstaunlich weiter, flacher See mit ziemlich rötlichem Wasser, leider lädt das Wetter nicht gerade zum Baden ein. Auf dem Zeltplatz in der Nähe wollen wir nicht die Nacht verbringen, umzäuntes Gelände mit Rastplatz und Barbeque, das können wir doch viel besser haben. Mittlerweile sind wir schon ziemlich dicht an der Ostküste, also fahren wir weiter, um uns dort ein Plätzchen zu suchen.

 

Der Strand auf der Ostseite der Insel ist sozusagen die Autobahn auf Fraser Island: Man kann mit bis zu 80kmh über den festen, ebenen Boden fegen, allerdings muss man sich dabei nach Ebbe und Flut richten, da das Fahren im Salzwasser keine gute Idee ist. Wir heizen also ein Stück den Strand hinauf und gelangen nach kurzer Zeit zum Eli Creek, wo wir unsere Zelte aufbauen. Schnell wird es dunkel, was uns nicht daran hindert, noch anständig zu grillen. Dann geht's in die Zelte, ein wein- und bierseliger Abend mit Gesang, fünf Nationalhymnen sind zu singen, eine recht internationale Truppe sind wir. Trotzdem fallen uns relativ früh die Augen zu, der Tag war doch recht lang.

 

Am nächsten Morgen geht es weiter, nachdem einige Sachen halbwegs getrocknet sind: Es hat über nacht recht heftig geregnet und allzu dicht sind unsere Zelte nicht. Also durchqueren wir zunächst den Eli Creek, der sich jedoch als nicht ernstzunehmendes Hindernis erweist. Und dann geht es immer am Strand entlang. Nachdem ich gestern Fahrer oder Beifahrer war, muss ich mich erst einmal an die Enge hinten im Wagen gewöhnen, immerhin sind wir 9 Personen im Landcruiser. Aber noch ist das völlig unproblematisch, das wird erst anders, wenn man durch schweres Gelände fährt, da wird man hinten wirklich sehr durchgerüttelt.

 

Am Strand geht es an so ziemlich allen bekannten Sehenswürdigkeiten vorbei. Zunächst erreichen wir das Wrack der Maheno, eines tasmanischen Passagierschiffs, das als Schrott nach Japan verkauft wurde, aber als es dorthin geschleppt werden sollte, hier strandete. Im zweiten Weltkrieg diente es als Übungsziel, mittlerweile ist es nur noch Ziel für die Kameras der Touristen. Und noch ein Stück weiter nördlich erreichen wir die Pinnacles, spitze Formationen aus Sand, die verschiedene Farbschichten haben. Solche bunten Berge zeigen sich auch auf der weiteren Strecke entlang des Strandes nach Norden.

 

Am Indian Head machen wir Rast und gehen den steilen Weg hinauf auf diese Felsklippe direkt am Meer. Erst führt der Weg noch durch grünes Grasland mit Bäumen, oben wird es dann kahl und schroff. Von hier hat man insbesonders vormittags einen schönen Blick auf das Meer im Sonnenschein. Unten schwimmen einige Delphine, die Wellen brechen machtvoll an den Felsen. Selbst auf dieser Höhe findet man noch die unglaulich schnellen Krebse, die hochbeinig selbst im tiefen Dünensand laufen können. Und gerade als sich ein großer Ansturm von Touristen nähert, sind wir bereits wieder beim Abstieg.

 

Gegen 11:00 Uhr kommen wir dann am nördlichsten Punkt unserer Reise an: Etwas westlich vom Waddy Point. Dort am Strand suchen wir uns einen Platz für unsere Zelte. Wir bauen schon mal auf, dann geht es zu den Champagne Pools, die einen mit dem Wagen, wir am Strand entlang zu Fuß. Das ist auch eine weise Entscheidung, der Weg führt von einer schönen, einsamen Bucht zur nächsten, dazwischen immer wieder bewaldete Stücke. Jedes mal geht es hoch auf die roten Felsen und wieder hinab zum nächsten Sandstrand, ein toller Wanderweg.

 

Die Champagne Pools sind einer der wenigen Orte an Frasers Ostküste, an denen man baden kann: Die Brandung und Strömung sind i.d.R. ziemlich gefährlich. Bei den Champagne Pools ist eine Barriere aus Felsen vor dem Strand stehen geblieben, am Strand ist das Wasser nicht sehr tief, lauwarm und sehr ruhig. An den Felsen brechen kraftvoll die Wellen, eine gute Gelegenheit für ein paar Fotos. Die seltene Badegelegenheit wird jedoch von sehr vielen genutzt, kein Platz der Stille und Einsamkeit. Am Nachmittag sind wir dann zu unserem Camp zurückgekehrt, ich habe noch einen Spaziergang in die Dünen unternommen, die hier beeindruckend hoch sind: Da man bei jedem Schritt im Sand ein Stück wieder hinunterrutscht, muss man bestimmt 150 Höhenmeter zurücklegen, um auf die 70m hohen Dünen zu klettern. Oben ist es ziemlich ruhig, abgesehen vom Wind, der hier manchmal mit Macht entlangfegt. Abends haben wir dann Unmengen von Pasta gekocht und verzehrt, dann folgte wieder ein feucht fröhlicher Abend mit Wein und Bier, Flaschendrehen und sonstigen Spielchen.

 

Am nächsten Morgen sind wir dann ganz früh aufgestanden, um den Sonnenaufgang anzuschauen. Das war auch recht schön, wenn auch die Sonne noch eine Weile hinter einer Wolke versteckt war und uns somit die unendliche Morgenröte entgangen ist. Nach dem Frühstück ging es dann die gesamte Ostküste wieder zurück, soweit wie das Autofahren hier erlaubt ist. Dann sind wir auf den Southern Lakes Scenic Drive abgebogen, der von Süden her an einigen Binnenseen vorbeiführt. Nachdem wir uns den Lake Boomanjin noch angesehen haben, sind wir an den anderen vorbeigefahren, um noch etwas Zeit am Lake McKenzie zu verbringen, einem wirklichen Badeparadies. Das Wetter ist sonnig und heiß und als wir am See ankommen, staune auch ich (wo ich doch gar nicht so ein Badefanatiker und Strandtyp bin). Ein herrlicher weißer Strand, das Wasser ist zunächst hellblau, wird dann schlagartig dunkel, der See ist sehr malerisch. Die Dunkelheit des Wassers wird interessanterweise nicht durch eine zunehmende Tiefe verursacht, sondern durch den Boden des Sees, der einige Meter vom Ufer entfernt plötzlich eine fast schwarze Farbe annimmt. Nach dem Baden mussten wir uns dann ein wenig eilen, um schnell wieder zum Kingfisher Bay Resort zu gelangen, den Reifendruck wieder straßentauglich zu erhöhen und letztendlich die Fähre noch zu kriegen. Eine schöne Tour geht zu Ende...

 

Auf der nächsten Seite folgt die  Fortsetzung dieser Reise, oder es geht zurück zum Abschnitt über die  Whitsunday Islands. Oder aber nach oben zum  Überblick.

 

 
Literatur:
 

Australien. Anne Dehne. Stefan Loose Verlag, Berlin, 2001. ISBN: 3-922025-58-7.

Australia Road Atlas. Lonely Planet Publications Pty Ltd, Footscray, Victoria, Australia, August 2000. ISBN: 1-86450-065-4.

Cycling Australia. Lonely Plane Publications Pty Ltd, Footscray, Victoria, Australia, April 2001. ISBN: 1-86450-166-9.

Weitere Literaturverweise und Links gibt es in den Seiten zu den einzelnen Orten, die im Text verlinkt sind.

 

 
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