Modified: 22.05.2005

 

Im Gegensatz zu Cairns ist Townsville eher eine Stadt nicht nur für Touristen, sondern auch für Einheimische. Ich habe mich dort im Reef Lodge Hostel einquartiert und bin 5 Tage dort geblieben. Zunächst einmal nur organisatorisches erledigt (Bilder auf CD brennen, Shopping), am nächsten Tag gings dann ins Billabong Sanctuary, das sich südlich außerhalb der Stadt befindet. Mein Reiseführer hat das zwar als einen sehr gut gemachten Zoo gepriesen, aber im Endeffekt ist es halt doch wieder nur ein Zoo: Tiere gehören einfach in die freie Wildnis. Hier werden die Vorführungen der Krokodile vielleicht nicht so reißerisch gestaltet wie anderswo, aber ein normales Leben führen die Tiere hier auch nicht. Alle halbe Stunde gibt es eine Veranstaltung, in der man entweder Koalas oder Wombats oder Schlangen oder kleine Alligatoren streicheln kann. Und die Gehege sind nach wie vor klein im Verhältnis zu der Beweglichkeit der Tiere in der Freiheit. Anyways, immerhin habe ich hier einige sehr schöne Fotos machen können und Krokodile habe ich in der Wildnis nicht gesehen. Am spannendsten fand ich jedoch die Kolonie von Flughunden, die hier offenbar freiwillig lebt. Die hängen tagsüber in den Bäumen, streiten sich gelegentlich um die besten Plätze und düngen hin und wieder den Boden (oder die Touristen, die unter den Bäumen entlanggehen).

 

Am zweiten Tag mache ich den einzigen Ausflug in die weitere Umgebung von Townsville: Ich setze über auf Magnetic Island und fahre dort ein wenig mit dem Fahrrad. Die Karte zeigt die Umgebung von Townsville (die orangen Quadrate sind Orte, die Ortsnamen werden angezeigt, wenn man mit dem Mauszeiger darauf zeigt).

 

 

Gleich früh morgens bin ich mit der Fähre hinüber zur Insel, mit dem Fahrrad kann man die Magnetic Island wunderbar erkunden. Ich radel zunächst bis nach Picnic Bay und entschließe mich dort, die Piste bis zum Westpoint zu fahren. Dies entpuppt sich als sehr gute Idee, denn der Weg ist völlig menschenleer und führt zwischen Eukalyptuswald auf der Landseite und Mangroven auf der Seeseite durch die malerische Landschaft. Kurz vor dem Ziel weist ein Schild und ein einsamer Grabstein auf die Quarantänestation hin, die sich hier einst befunden hat um Einwanderer zunächst aufzunehmen. Dann erreiche ich den einsamen Strand am Westpoint, eine merkwürdige Ruhe umgibt diesen Ort (sonst sind Strände doch immer stark bevölkert)...

 

Nach kurzer Rast geht es wieder zurück, wobei mir erst auf dem Rückweg einige der sehr bizarren Felsformationen hier auffallen. Da gibt es pilzförmige Felsen, große Kugeln, von denen sich Teile wie eine Mandarinenschale ablösen, alle bewachsen mit herrlichen Flechten. Nach einigen kleinen Exkursionen zu Fuß am Straßenrand gelange ich letztendlich wieder nach Picnic Bay, wo ich erst einmal einen riesigen Obstsalat verzehre. Dabei verschlechtert sich das Wetter merklich, es fängt an zu regnen. Also radel ich nur noch zurück zum Fähranleger und mache mich auf den Rückweg nach Townsville.

 

Und eigentlich sollte es dann am dritten Tag wieder auf große Fahrt gehen. Ich bin früh morgens in Townsville aufgebrochen, um die rund 100km bis nach Ayr zu radeln, in drei Tagen wollte ich in Airlie Beach sein, weil dann der gebuchte Segeltörn startet. Aber nach 50 flachen Kilometern auf dem Highway schleift mein Vorderrad merklich an der Bremse, und siehe da: Diesmal ist es also das Vorderrad, das sich ebenfalls mit einem Riss im Felgenrand meldet (wie schon ein paar Tage zuvor das Hinterrad). Das kommt reichlich ungelegen, da ich gerade sowohl 50km von Townsville als auch 50km von Ayr entfernt bin. Aber ich warte keine 5 Minuten, dann kommt Pam mit ihrem Pickup angebraust (die Australier nennen solche Fahrzeuge übrigens "Ute"). Sie will nach Ayr, also nimmt sie mich kurzentschlossen mit, mitsamt Bike und Gepäck. Sie hat hier in der Nähe eine Wurmfarm, wo Würmer gezüchtet werden für Komposter und umweltfreundliche Toiletten, es ist schon erstaunlich, womit man seinen Lebensunterhalt verdienen kann. In Ayr stelle ich dann fest, dass die Fahrradläden allesamt keine 28er Felgen haben. Was bleibt mir übrig? Ich fahre mit dem nächsten Bus zurück nach Townsville, frage vorher schon mal per Telefon an, ob die auch eine passende Felge haben, und bin dann sogar noch rechtzeitig genug da, damit die mir die Felge gleich einspeichen können.

 

Das Ende vom Lied: Es ist 18:00 Uhr und ich sitze wieder in Townsville. Und mache dann auch gleich eine Probefahrt, hoch auf den Castle Hill, einen Berg am westlichen Rand von Townsville. Es führt eine asphaltierte Straße bis nach oben hinauf, eine nette sportliche Herausforderung. Das denken offenbar auch andere: Eine Volkswanderung von Joggern, Spaziergängern und Radfahrern begibt sich zum Sonnenuntergang auf den Castle Hill. Selbst einige Sportstudenten sind hier gerade im Training. Wenn man dann oben angekommen ist, wird man mit einem wunderbaren Blick über die Stadt auf's Meer belohnt, Magnetic Island ist ebenfalls gut zu sehen. Der Weg hinunter ist ein wahres Vergnügen, leider muss man öfters in die Bremsen gehen, es gibt ja auch noch Autos, die einem hier entgegen kommen.

 

Da ich es per Bike nicht mehr rechtzeitig nach Airlie Beach schaffen kann, werde ich Bus fahren und habe somit noch einen Tag in Townsville. Ich mache eine Radtour am Ross River entlang, wo auf beiden Seiten ein hervorragender Fahrradweg existiert. Es gibt nette Ausblicke auf den Fluß und die üppige Vegetation am Ufer, an manchen Orten gibt es Seile in den Bäumen um sich beim Baden ins Wasser zu schwingen. Ich bleibe auf meinem Fahrrad und steige nur ab, um dem Palmetum einen Besuch abzustatten. Das Palmetum ist ein Palmengarten, im Grunde genommen ein schöner botanischer Garten. Einzelne Wegabschnitte wurden unterschiedlich gestaltet und tragen offenbar die Namen der Sponsoren, eine nette Idee. Inmitten der unzähligen Palmen und anderen tropischen Pflanzen fühlen sich offenbar auch einige Libellen sehr wohl, sie lassen mich erstaunlich dicht heran, um Fotos zu machen.

 

Und bevor ich an meinem letzten Townsville-Tag in den Bus nach Airlie Beach steige, statte ich dem Reef Headquarter einen Besuch ab. Das Reef HQ ist ein großes Aquarium, das eine Besonderheit aufzuweisen hat: Es präsentiert ein lebendiges Stück Korallenriff. Es werden also die Meeresbedingungen mit großem Aufwand simuliert, so dass die Korallen sich hier wohlfühlen und auch vermehren (das ist in den meisten Aquarien nicht der Fall). Hierfür wird Sonnenlicht in das Aquarium gelassen, an heißen Tagen muss dann wiederum gekühlt werden (da das Aquarium sich doch deutlich schneller aufheizt als der riesige Ozean), Wellenbewegungen müssen erzeugt werden etc. Alleine die Technik ist schon sehr interessant, noch spannender sind allerdings die Bewohner. Man kann sogar Seesterne und Seegurken anfassen (die eine recht merkwürdige, rauhe Haut haben), Dornenkronen, Seepferdchen, Haie und diverse weitere Riffbewohner sind hier zu Hause. Viel zu kurz ist meine Zeit, bevor ich mit meinen ganzen Sachen zum Bus muss.

 

Auf der nächsten Seite folgt die  Fortsetzung dieser Reise, oder es geht zurück zum Abschnitt über  Cairns. Oder aber nach oben zum  Überblick.

 

 
Literatur:
 

Australien. Anne Dehne. Stefan Loose Verlag, Berlin, 2001. ISBN: 3-922025-58-7.

Australia Road Atlas. Lonely Planet Publications Pty Ltd, Footscray, Victoria, Australia, August 2000. ISBN: 1-86450-065-4.

Cycling Australia. Lonely Plane Publications Pty Ltd, Footscray, Victoria, Australia, April 2001. ISBN: 1-86450-166-9.

Weitere Literaturverweise und Links gibt es in den Seiten zu den einzelnen Orten, die im Text verlinkt sind.

 

 
 Anregungen, Lob und Kritik nehme ich gerne entgegen.