Modified: 07.09.2003

New York, New York, die Stadt der Millionen, der Wolkenkratzer, der Immigration nach Amerika. Wohl die bekannteste Stadt der Welt und auf jeden Fall eine Reise wert. Auch wenn man kein Freund von Wolkenkratzern ist, New York hat etwas. Und selbst die Wolkenkratzer hier beginnen, einen Hauch von Geschichte auszustrahlen, entstammen doch einige von ihnen bereits dem frühen 20.en Jahrhundert.

 

 
 
St. John the Divine:
 

Ziemlich weit im Norden des Zentrums, in der Nähe der Columbia University, steht die Kirche "St. John the Divine". Es muß natürlich die größte gotische Kirche der Welt werden, sonst wären wir ja nicht in New York. Doch ist St. John trotzdem sehr sehenswert. Zum Einen ist St. John nach wie vor nicht fertiggestellt, sie befindet sich noch im Bau. Dies hat den Vorteil, daß man hier Kunstwerke aus neuester Zeit an den Fassaden finden kann. Es gibt immer noch eine Dombauhütte, die gemeinsam mit jungen Künstlern aus den Kunsthochschulen die Ausstattung der Kirche erweitert. Zum anderen ist St. John eine Kirche, die bereits in der Planung angepaßt wurde an die heutigen Erfordernisse einer lebendigen Kirche. So befinden sich im Kellergeschoß keine riesigen Grüfte, sondern eine Sporthalle und ein Konferenzsaal.

 

Das Hauptportal von St. John sieht auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich aus für eine gotische Kirche. Bei näherem Hinsehen kann man jedoch feststellen, daß diese Kirche wirklich brandneu ist. Die Konsolen, auf denen hagere Figuren stehen, zeigen das moderne New York. Stark verzerrte perspektivische Darstellungen von Wolkenkratzern, ein fließender Übergang von Relief zur Vollplastik, herabstürzende Busse und Großstadtalltag sind hier Kennzeichen der Moderne, jedoch verewigt in Stein.

 

Im Inneren von St. John befindet sich eine besonders schön gestaltete Kapelle, die in ihrer reinen gotischen Gestaltung ihresgleichen sucht. Beim obligatorischen Kirchenshop gibt es ein Modell der Kathedrale zu bewundern. Es gibt einen Plan der Kathedrale mit all ihren Kellerräumen, und Beschreibungen der modernen Konzepte dieser Kirche. Und es gibt einige Vitrinen, in denen jüngste Arbeiten von Künstlern ausgestellt werden, die noch nicht den Weg an die Fassade der Kirche gefunden haben. Hier wird auch die Arbeit der Dombauhütte und ihrer Bildhauer beschrieben.

 

 
 
Rockefeller Center:
 

Der Name Rockefeller ist natürlich auch in New York allgegenwärtig. Nicht zuletzt deswegen, weil hier das Rockefeller Center steht, ein riesiger Komplex aus mehreren Hochhäusern, die im Art-Deco-Stil gehalten sind. In der Mitte steht das GE-Gebäude (GE = General Electrics), der höchste der Türme, in dem sich weit oben der Rainbow Room, eine Bar mit herrlichem Ausblick über die nächtliche Stadt, befindet. Vornehme Kleidung ist hier allerdings Pflicht, in Jeans wird man hier nicht eingelassen. Das Erdgeschoß des Gebäudes sieht aus wie eine reine Kunstgalerie, zwischen den Gebäuden des Centers findet man weitere beeindruckende Plastiken der Art-Deco-Periode. Der Platz vor dem GE-Building wird im Winter in eine kleine Schlittschuhbahn verwandelt, die schon in vielen Filmen zu sehen war.

 

 
 
St. Patrick:
 

Direkt gegenüber vom Rockefeller Center befindet sich die zweite, große Kathedrale New York, St. Patrick. Sie ist umgeben von einigen modernen Wolkenkratzern, die einen merkwürdigen Kontrast zur gotischen Architektur der Kathedrale bilden. Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch St. Patrick eine relativ neue Kirche ist, die eben nur im gotischen Stil gestaltet wurde (= Neugotik). Die Planungen für das Bauwerk wurden 1853 begonnen, der Architekt war James Renwick. Das Westwerk mit seinen kräftigen beiden Türmen ist äußerlich dem des Kölner Doms recht ähnlich.

 

Das Innere von St. Patrick ist ziemlich typisch für die Innenraumgestaltung neogotischer Kirchen in Amerika: Groß, weit, ein wenig kühl. Doch es gibt auch sehr reizvolle Details, wie z.B. das abgebildete Taufbecken. Die Abdeckung des Beckens schwebt hier über dem Taufbecken und ist ein herrliches Beispiel für die schwebende Gestaltung von Innenarchitektur, wie sie für die Gotik typsich ist (vgl.  Sedlmayr). In St. Patrick hat man mich übrigens sehr nachdrücklich aufgefordert, nicht mit Stativ zu fotografieren. Jedoch nicht, wie ich erwartet hatte, wegen der Rechte an den qualitativ hochwertigen Bildern, sondern aus Versicherungsgründen. Es könnte ja jemand über das Stativ stolpern und die Kirche (und nicht etwa mich) verklagen...

 
 

 
 
Empire State Building:
 

Wohl das schönste Hochhaus in New York ist das Empire State Building. Es gehört zur älteren Generation von Hochhäusern in New York (Bauzeit 1930 bis 1931) und war bis 1972 das höchste Gebäude der Welt. Abends ist es bunt erleuchtet, zu besonderen Feiertagen erstrahlt es in ebenso besonderen Farben. Früher konnten Zeppeline direkt oben an der Spitze andocken, seit 1950 trägt es eine 67m hohe Fernsehantenne. Übrigens spielt auch die Filmszene von King Kong auf dem Wolkenkratzer (Filmversion von 1933) auf dem Empire State Building. Auf jeden Fall sollte man auf das Empire State Building hinauffahren. Von dort hat man den schönsten Blick über die Südspitze von Manhatten. Das Gebäude ist auch abends geöffnet, so däß sich hier ein wundervoller Blick über die nächtliche Skyline von New York bietet.

 
 

 
 
World Trade Center:
 

Die Bilder an dieser Stelle sind, obwohl erst 1999 aufgenommen, schon historisch. Am 11. September 2001 wurde das World Trade Center durch einen Terroranschlag vollständig zerstört, mehere tausend Menschen wurden dabei getötet. Ich habe das World Trade Center als einen der schönsten Plätze New Yorks in Erinnerung. Zwischen den Gebäuden saßen Touristen und Angestellte zusammen an dem wundervollen Brunnen, eine Oase der Ruhe inmitten der hektischen Geschäftswelt. Und ein Komplex von architektonischer und gestalterischer Qualität. Es ist unendlich traurig, was der Starrsinn mancher Menschen alles zerstören kann...

 

 
 
Brooklyn:
 

Um dem hektischen Treiben in Manhattan zu entkommen, bietet es sich an, einmal über die Brooklyn-Bridge zu spazieren. Die Brücke ist imposant, zumal man als Fußgänger den besten Blick hat, der Autoverkehr wird unter dem Fußweg geführt. Erreicht man die andere Seite, so stellt man sofort den Unterschied fest: Keine riesigen Wolkenkratzer. Rechts (also südlich der Brücke) liegt ein Viertel aus schönen, geräumigen Häusern, Bäume säumen die Straßen und ein kleiner Spaziergang am Ufer entlang bietet einen wundervollen Blick auf die Hochhäuser Manhattans. Inmitten der Backsteinhäuser ein hübsches Cafe mit einer netten Mischung aus orientalischer, italienischer und amerikanischer Küche: The Bedouin Tent, 47 Hicks Street.

 
 

 
 
Central Park:
 

Befindet man sich nicht gerade im Südzipfel Manhattans, so ist der Centralpark immer nur einen Katzensprung entfernt, um ein wenig auszuruhen. Bei Sonnenschein schnell noch ein wenig Sushi aus einem der Supermärkte besorgt und schon gibt es ein prima Essen im Freien. Der Centralpark ist jedoch auch eine Sehenswürdigkeit an sich. Viele schöne Denkmäler und Monumente, im Südwestzipfel ein Restaurant mit zu Kunstwerken umgestalteten Bäumen und Büschen, ein kleines Zierschlößchen, angelehnt an die Shakespeare-Zeit, sind nur einige der Highlights.

In der Mitte des Parks befindet sich ein riesiges, kreisrundes Wasserbecken, ursprünglich als Löschwasservorrat gedacht. Drumherum laufen die Jogger an sonnigen Tagen, und das offenbar oftmals so gedrängt, daß Schilder die Laufrichtung vorschreiben. In den mit Asphalt und Gehwegplatten gestalteten Zonen im Süden des Parks zeigen oftmals einige Rollerblader ihre akrobatischen Künste. Als letzter kultureller Höhepunkt des Parks sei hier noch das Metropolitan Museum of Art erwähnt, das mit seinem interesannten Äußeren mit moderner und alter Architektur den Park ziert.

 
 

 
 
Staten Island Ferry:
 

Direkt von den Südspitze Manhattans fahren einige Fähren zu den umliegenden Inseln. Von hier aus kann man (wie tausend andere Touristen) die Freiheitsstatue ansteuern, das sollte man aber nur mit der ersten Fähre morgens machen, sonst wird es supervoll. Lieber sollte man die Staten Island Ferry besteigen, die Überfahrt ist billig (mittlerweile kostenlos). Die Insel selbst ist nicht spektakulär, so daß man gleich an Bord bleiben kann, um wieder zurückzufahren. Die Fahrt macht man nälich nur wegen der Atmosphäre an Bord und dem sagenhaften Blick auf die Skyline von Manhatten. Einfach hinsetzen und genießen.

 
 

 
 
Verweise:
 

Kerstin Rieke hat einige schöne Tips für New-York-Urlauber auf  ihrer Website.

Einige hübsche Bilder von St. Patricks Cathedral gibt es bei  Randall van der Woning.

Weitere Erläuterungen zum Einfluß mittelalterlicher Architektur in New York gibt das " Mediaeval New York Project" von Paul Halsall an der Fordham University.


 
 
Literatur:
 

Judith Dupré: Wolkenkratzer. Könemann Verlagsgesellschaft. ISBN: 3-89508-294-5.


 
 
 Anregungen, Lob und Kritik nehme ich gerne entgegen.