Modified: 06.03.2005

Ottawa ist ähnlich wie Washington D.C. oder Canberra eine künstlich errichtete Stadt, die als Kompromiss im Ringen von unterschiedlichen Volksgruppen genau auf die Grenze zwischen deren Gebieten gesetzt wurde. Liegt Washington D.C. zwischen Nord- und Südstaaten der USA und Canberra zwischen Melbourne und Sydney, so verbindet Ottawa die Staaten Quebec und Ontario und somit das englischsprachige Gebiet Kanadas mit dem französichsprachigen Teil. An der Einmündung des Rideau River in den Ottawa River entstand eine Stadt auf dem Reissbrett. Parlamentsgebäude und Museen prägen den Kern Ottawas, vieles entstammt noch der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Gründungszeit der Stadt. Mittlerweile ist jedoch auch ein erheblicher Bestand an moderner Architektur hinzugekommen, so dass sich auch sehr kontrastreiche Anblicke ergeben.

 

 
Parlament:
 

Die Regierungsgebäude sind dabei wundervoll direkt ans südliche Ufer des Ottawa River gelegt worden, am nördlichen Ufer befinden sich weitere repräsentative Gebäude. Die Parlamentsgebäude erinnern sehr an englische Vorbilder, der neugotische Stil (Gothic Revival Style) scheint auch bei den Kanadiern sehr beliebt gewesen zu sein. Die ersten Parlamentsgebäude wurden 1866 von Thomas Fuller, Thomas Stent und weiteren Architekten gebaut. Die Bibliothek ist noch aus dieser Zeit erhalten geblieben. Das zentrale Ensemble entstand erst ab 1916, als ein Brand die Parlamentsgebäude zerstörte, die Federführung hatten J.A. Pearson und J.O. Marchand. 1922 wurde das Regierungszentrum wieder eingeweiht, auch der weithin sichtbare Friedensturm (Peace Tower) ist ein recht neues Wahrzeichen der Stadt, er wurde erst 1927 fertiggestellt. Von hier hat man einen guten Ausblick auf die ganze Stadt, da der Parliament Hill bereits 150m über dem Ottawa River thront und der Turm noch einmal weitere 91m hoch ist.


 
Nationalgalerie:
 

Die Nationalgalerie ist auch als Gebäude ein Kunstwerk an sich. Das 1988 eröffnete Gebäude wurde vom Architekten Moshe Safdie aus rosa Granit, Glas, Stahl und Beton geschaffen. Besonders gelungen ist der Glasturm an der Westseite des Hauses, der für Sonderausstellungen genutzt wird. Die Nationalgalerie ist eines der drei größten Museen von Kanada und präsentiert sowohl einheimische wie auch internationale Kunstwerke. Im Inneren gibt es einige Räume, die die kanadische Kunst geordnet nach den zeitlichen Epochen zeigen. Besonders frappierend ist das unglaublich schnelle Verschwinden der Kunst der Ureinwohner Kanadas, diese füllt einen einzigen Raum, bereits im nächsten Raum zeigt sich Kanada schon vollständig europäisiert.


 
Notre Dame:
 

Direkt gegenüber der Nationalgalerie steht ein weiteres Wahrzeichen Ottawas: Die Kirche Notre Dame. Sie ist die älteste Kirche Ottawas, erste Planungen begannen bereits 1839. Zwei Jahre später begann man mit dem Bau, der erst 1885 beendet wurde. Notre Dame ist eine typische neugotische Kathedrale nach englischem Vorbild, zwei spitze, identisch gestaltete Türme dominieren die Westfassade. Eine Spezialität der Kirchen Ottawas sind die silbernen Metalldächer der Türme, die nicht nur bei Notre Dame zu sehen sind. Notre Dame besitzt eine große Anzahl von Figuren und Wandmalereien im Inneren, die Fassade ist jedoch recht schlicht gehalten, auf Wasserspeier und weiteres gotische Zierat wurde hier verzichtet.


 
Museum der Zivilisation:
 

Das Museum der Zivilisation in Ottawa ist das meistbesuchte Museum Kanadas. Das Museum hatte bereits unter verschiedenen Namen existiert und beherbergte vormals nicht nur biologische und historische Stücke, sondern vorwiegend Mineralien. 1968 wurde die Sammlung aufgeteilt, es entstand das Museum of Nature und das Museum of Man, der Vorgänger des Museum of Civilization. Das Museum ist 1989 in die eigens dafür errichteten Gebäude auf der nordseite des Ottawa River eingezogen, begonnen wurde das Gebäude bereits 1983. Es wurde nicht nur wegen seiner herausragenden Architektur bekannt, die aus der Feder von Douglas Cardinal und Michel Languedoc von der Firma Tétreault stammt, sondern auch durch die immensen Kosten, die weit über die geplanten Summen hinauswuchsen.

Das Museum der Zivilisation besteht aus zwei Häusern, dem Museum selbst und dem zugehörigen Kuratorium. Im Kuratorium befinden sich gerade nicht gezeigten Exponate und Sammlungen des Museums, die Verwaltung und die Laboratorien, in denen konserviert und restauriert wird. Das Kuratorium beeindruckt mit seinen überhängenden Wänden, die nach oben hin in drei Stockwerken jeweils breiter werden. Das Museumshaus besteht hingegen zum großteil aus einer riesigen Halle, der First Nations Hall, in der nicht nur baumhohe Totempfähle ausgestellt sind, sondern die auch oft für Festlichkeiten benutzt wird. Dafür ließe sich auch kaum ein schönerer Platz finden, direkt vor den Türen in der Glasfront liegt ein künstlicher, schmaler See. An den See schließt sich der Museumsplatz zwischen den beiden Gebäuden an, von wo man sektschlürfend auf den Ottawa River bei Nacht blicken kann.


 
Neues Rathaus:
 

Weit abseits des Zentrums der Stadt befindet sich auf einer kleinen Insel im Rideau River das moderne Rathaus der Stadt. Über die wundervolle Minto Bridge, eine Stahlbrücke aus dem Jahre 1900 erreicht man das supermoderne Gebäude, das idyllisch im Grünen gelegen ist (passenderweise heißt die Insel auch Green Island. Der Bau wurde 1988 bis 1994 nach Plänen von Moshe Safdie errichtet, er ist gegliedert in einige einzelne Geb&auuml;udestrukturen, die jeweils sehr geometrisch geformt sind. Im Innenhof gibt es einen rechteckigen Teich, der die Kulisse für ein ein recht modernes Kunstwerk darstellt. Das Gebäude besticht durch sehr geradlinige Gestaltung, die etwas riesig geratene Metallkonstruktion auf der einen Seite des Bauwerks ist vielleicht eher fragwürdig.


 
Literatur:
 

Vis-à-Vis: Kanada. Dorling Kindersley Verlag GmbH, Starnberg, 2002. ISBN: 3-928044-51-6.

Links:
 

Das  Museum der Zivilisation zeigt auf seinen Webseiten nicht nur aktuelle Informationen zu den Ausstellungen, es finden sich dort auch Fotos und Erklärungen zu den Gebäuden selbst. So gibt es einen Plan der  Ausstellungsräume, der einen Querschnitt durch das Museumsgebäude zeigt. Eine weitere Seite zeigt Fotos von den Bauarbeiten und Beschreibungen und Querschnitte beider  Museumsgebäude.

Gegliedert nach den in Ontario vertretenen Baustilen werden exemplarisch viele Gebäude auf den Seiten von  Ontario Archtecture vorgestellt, ein Glossar ist ebenfalls vorhanden.

Viele moderne Gebäude Kanadas werden auf der Webseite  Glas, Steel and Stone gezeigt, hier finden sich jeweils auch sehr gute Fotos (jedoch nur recht kleine).

 

 
 
 Anregungen, Lob & Kritik nehme ich gerne entgegen.