Modified: 06.04.2003

Hildesheim ist ein Städtchen mit einigen überragenden Zeugnissen aus dem frühen 11. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war  Bernward Bischof von Hildesheim und nach seinen Vorstellungen wurde die Kirche St. Michael gebaut. Der Dom von Hildesheim ist ebenfalls sehr sehenswert. Das Bauwerk hat im Laufe der Jahrhunderte große Wandlungen durchlaufen und verfügt über eine großartige Innenausstattung. Die Stadt Hildesheim wurde im zweiten Weltkrieg sehr stark zerstört, ein Großteil des Zentrums wurde in den fünfziger Jahren wieder aufgebaut. Die wertvollsten Gebäude wurden renoviert oder vollständig neu aufgebaut und bilden somit historische Inseln inmitten einer modernen Stadt.

 

 
 
St. Michael:
 

Die Kirche St. Michael ist eines der herausragenden Baudenkmäler der Romanik. Zusammen mit dem  Dom in Hildesheim wurde sie zum Unesco Weltkulturerbe erklärt. Erbaut wurde St. Michael unter Federführung des Bischofs Bernward von 1001 bis 1033. Bernward, der während der Bauzeit 1022 starb, wurde in der Krypta beigesetzt. Der Bau wird von streng geometrischen Grundfiguren bestimmt und ist ein Nachbau des himmlischen Palastes, so wie man ihn sich im Spätmittelalter vorstellte. Das Langhaus besitzt am West- und Ostende jeweils ein Querschiff, welche wiederum an Nord- und Südseite von einem Turm begrenzt werden. Ebenso besitzt das Bauwerk einen kleinen Ostchor und einen sehr viel größeren Westchor mit Umgang. Unter dem Westchor befindet sich die Krypta, die nur von außen zugängig ist.

Im Inneren fällt das System der Basilika ins Auge. Die Grundform ist das Quadrat (nur mit Spitzbögen lassen sich rechteckige Flächen überspannen). Der typisch niedersächsische Stützenwechsel zeigt sich an den Pfeilern des Hauptschiffes, auf zwei Säulen (runder Grundriss) folgt jeweils ein Pfeiler (quadratischem Grundriss). Der obere Abschluß des Innenraumes wird nicht durch ein Gewölbe gebildet, sondern von einer bemalten Holzdecke. Diese wurde um 1200 angefertigt und ist eine einmalige Malerei. Dargestellt ist der Stammbaum Jesu beginnend bei Adam & Eva im Paradies. Während des zweiten Weltkrieges wurde die gesamte Decke ausgelagert, so daß sie beim Brand der Kirche 1945 unversehrt blieb.

Die Wände des Hauptschiffs sind sehr schlicht gehalten, oberhalb der Seitenschiffdächer gibt es einfache Fenster. In den Querhäusern ist eine schöne Gliederung der Wände zu sehen, es gibt eine Empore und im oberen Bereich noch eine kleine Galerie. Die Farbgebung in dunkelrot und weiß, die das Innenleben der Kirche schmückt, ist typisch romanisch (man kann sogar sagen, typisch römisch, wie ein Spaziergang durch die Grabungsstätten von Pompeji zeigt). Besonders in den Seitenschiffen, in denen die Fenster der Obergaden fehlen, bemerkt man die Dunkelheit, die in romanischen Basiliken vorherrscht. Erst zur Zeit der Gotik beherrscht man den Bau von Wänden, die sowohl stabil genug als auch sehr transparent sind. Im östlichen Seitenschiff befindet sich ein Taufbecken mit Deckel aus dem Jahre 1618 und eine Steinbüste Bernwards aus dem 13. Jahrhundert.

Besonders bemerkenswert sind die Säulen, die das Hauptschiff tragen. Die zwei östlichsten der nördlichen Reihe stammen noch aus der Zeit Bernwards und sind gekrönt von einem Musterbeispiel eines ottonischen Würfelkapitells. Die anderen Säulen entstammen den folgenden Jahrhunderten. Sie sind geschmückt von Pflanzenornamenten und sehr schönen Figuren. Diese frühen Zeugnisse der figürlichen Darstellung sind in ihrer Schlichtheit sehr ausdrucksstark, ebenso wie die der Bernwardstür im nahegelegenen  Dom.

 

 
 
Dom:
 

Der Dom in Hildesheim ist nicht zuletzt bekannt für seinen angeblich tausendjährigen Rosenstock. Die erste Kirche wurde hier bereits in karolingischer Zeit erbaut, seine jetzige Form geht auf einen Bau zurück, der 1061 geweiht wurde. Der Dom wurde zwar weitgehend im zweiten Weltkrieg zerstört, ist jedoch wieder rekonstruiert worden und ist in seiner Gesamtheit mit dem Kreuzgang und der Annenkapelle im Innenhof sehr schön.

Das Innere des Doms birgt einige einmalige und prachtvolle Ausstattungsstücke. Hierzu gehören vor allem die Bernwardsäule und die Bernwardstür. Die Bernwardsäule wurde um 1020 hergestellt und ist der Trajansäule in Rom nachempfunden. Sie zeigt in spiralförmiger Anordnung 24 Szenen aus dem Leben Christi. Die Bernwardstür wurde 1015 aus Bronze gegossen. Sie besteht aus zwei 4.72 m hohen und ursprünglich 1.20 m breiten Türflügeln. Sie hingen bis etwa 1033 noch an  St. Michael. Die Tür zeigt sechzehn Reliefs aus der Bibel, von Adam und Eva im Paradies bis zur Auferstehung Christi. Die figürlichen Darstellungen sind trotz oder gerade wegen ihrer Schlichtheit unglaublich ausdruckstark. Der Dom beherbergt noch einige weitere Kostbarkeiten, u.a. ein bronzenes Taufbecken von ca. 1225 und einen großen Radleuchter aus Kupferblech, der zwischen 1055 und 1065 angefertigt wurde. Es ist ein Musterbeispiel für die von  Sedlmayr beschriebenen Leuchter als Sinnbild für die Himmlische Stadt.

 

 
 
Knochenhauer Amtshaus:
 

Das Amtshaus der Knochenhauer am Marktplatz von Hildesheim, direkt gegenüber vom Rathaus, galt bis zum zweiten Weltkrieg als eines der schönsten Fachwerkhäuser der Welt. Im Krieg wurde es jedoch vollständig zerstört, die Reste wurden abgetragen. Erst in den achtziger Jahren begann man, einen Neuaufbau des Hauses anzugehen. Nun steht es wieder an seinem angestammten Platz. Die zahlreichen Bemalungen auf den Holzflächen wurden nicht exakt rekonstruiert, stattdessen wurden neue, moderne Bilder geschaffen. Die zahlreichen Darstellungen von Krieg und vom Tod (als Knochenmann) knüpfen an die mittelalterliche Gedankenwelt an und schlagen eine Brücke zu Themen der heutigen Zeit.

 

 
 
Literatur:
 

Einige Informationsquellen über Hildesheim und seine Gebäude:

St. Michael zu Hildesheim. Verlag Gebrüder Gerstenberg, Hildesheim, 1978. ISBN: 3-8067-8035-8.

Der Dom zu Hildesheim. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg, 8. Auflage, 1996. ISBN: 3-7954-5206-6.

Die Bernwardstür in Hildesheim. Wulf Schadendorf. R. Piper & Co Verlag, München, 1956.


 
 
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