Modified: 09.11.2003

Der Bezirk Hamburg Nord umfaßt einen schmalen Landstrich direkt nördlich der Außenalster, die Altbaustadtteile Winterhude und Eppendorf gehören ebenso dazu wie die City-Nord der 70er Jahre, der Stadtpark und der riesige Ohlsdorfer Friedhof ebenso wie der Flughafen Fuhlsbüttel. Offensichtlich einer der Bezirke mit der größten baulichen Bandbreite. Hier finden sich die bedeutendsten Bauprojekte der Weimarer Republik, die Wohnsiedlungen Dulsberg und die Jarrestadt, genauso wie der von Fritz Schuhmacher gestaltete Stadtpark.

 

 
 Jarrestadt    
 

 
Jarrestadt:
 

Jarrestadt nennt man allgemein die große Wohnsiedlung, die Ende der zwanziger Jahre zwischen Jarrestraße, Glindweg, Wiesendamm und Goldbekkanal errichtet wurde. Zunächst gestaltete Oberbaudirektor Fritz Schuhmacher den Straßenplan der Siedlung, es folgte 1926 ein Wettbewerb, der sicherstellte, daß die Siedlung einem Gesamtkonzept folgte, wobei jeder Wohnblock jedoch durch einzelne Architekten gestaltet wurde. Auf diese Weise entstand bis 1929 eine insgesamt geschlossene Siedlung, die jedoch nicht aus eintönigen Gebäuden besteht. Gemeinsam ist den Häusern der typische dunkelrote Klinker, die Flachdächer, weiße Speichenfenster und die horizontale Gliederung der Fassaden. Die einzelnen Komplexe bilden meistens einen großen Innenhof, der jeweils als soziales Zentrum für die Bewohner konzipiert ist. Hier befand sich oftmals das gemeinsame Waschhaus (mittlerweile besitzen die meisten Bewohner offenbar ihre eigenen Waschmaschinen, ein schönes Waschhaus ist noch im Otto-Stolten-Hof zu sehen), mittlerweile gibt es in einigen Höfen Spielplätze. Das Zentrum der Jarrestadt bildet ein sehr großer, quadratischer Komplex mit parkähnlichem Innenhof, der Bau wurde von Karl Schneider entworfen.

 

Bei näherer Betrachtung fällt bei der Jarrestadt die unglaubliche Freude der Architekten am Spiel mit der Horizontalen auf. Ähnlich, wie man in der Gotik die technischen Möglichkeiten bis ans Ende des Machbaren ausreizte, um in die Senkrechte zu bauen und den Eindruck des in die Höhe Schwebens zu erzeugen, wird hier mit den Möglichkeiten des neuen Werkstoffs Beton umgegangen. Dabei wird der Eindruck des Schwebens jedoch nicht durch ein immenses Höhenstreben erweckt, sondern durch die spielend leichte Überwindung der Schwerkraft in der Horizontalen. Weite Durchfahrten, von geraden Decken überdeckt, Balkons, die keiner Stütze nach unten bedürfen, ebenso wie Decken und Fassadenzier, an deren Unterseiten schwere Klinkersteine hängen und die somit einen Himmel aus Ziegeln bilden. Ein Musterbeispiel dieses Schwebens bildet auch die große Figur am Kranzhaus, die auf einem dünnen, horizontal aus der Fassade ragenden Betonträger steht, unter dem ein in Bronze ausgeführter Kranz der Schwerkraft trotzt. Diese Art des Bauens verursacht jedoch in heutiger Zeit vermehrt Restaurationsaufwand, insbesondere scheinen die unten hängenden Backsteine doch allmählich der Schwerkraft zu unterliegen, wie einige Hauseingänge in der Meerweinstraße zeigen.

 

Im Osten schließt sich an die eigentliche Jarrestadt ein Gebiet an, in dem von 1929 bis 1930 die "Reichsforschungsstelle für die Wirtschaftlichkeit im Bauwesen" einige Wohnungsbaukonzepte testete. Das Gebiet ist geprägt von Häusern in Zeilenbauweise, einige von ihnen haben Laubengänge auf jedem Stockwerk. In dieser Gegend wurden mittlerweile unter den Grünflächen zwischen den Häuserzeilen Tiefgaragen gebaut, da es in der Jarrestadt wie in allen Altbausiedlungen an Parkplätzen mangelt. Zur Bauzeit der Siedlung wurden hier jedoch keine wesentlichen Erkenntnisse für den Wohnungsbau gewonnen, insgesamt mußte man für die Jarrestadt feststellen, daß die aufwendige Gestaltung der Häuser zu höheren Mieten führte, so daß die Teile der Bevölkerung, für die man hier Wohnraum schaffen wollte, nicht hier einziehen konnten [Hipp]. Andererseits ist die Jarrestadt bis heute ein gefragtes Wohngebiet, nicht zuletzt durch die Nähe zu Alster, Stadtpark und zum belebten Teil Winterhudes.

 

 
 
Literatur:
 

Hamburg. Hermann Hipp. Dumont Kunstreiseführer, Dumont Verlag, 1999, ISBN: 3-921939-88-7. Herrmann Hipp ist Professor für Kunstgeschichte und ein Kenner eines jeden Bauwerkes der Stadt.

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