Modified: 26.02.2004

Der Bezirk Hamburg Mitte umfaßt nicht nur die geographische Mitte der Stadt, in ihm befindet sich auch des touristische Zentrum, gebildet durch die Alt- und Neustadt. Das Zentrum lädt nicht nur zum Einkaufsbummel, sondern bietet auch weltbekannte architektonische Highlights. Hier finden sich die bedeutsamsten Bauwerke von Fritz Höger, die mittelalterlichen und barocken Kirchen Hamburgs, die Speicherstadt und die großen Kontorhäuser mit ihren wundervollen Treppenhäusern.

 

 
 Broschekhaus  Chilehaus  Meßberghof
 Sprinkenhof
 

 
Broschekhaus:
 

1926 wurde nach dem Entwurf von Fritz Höger das Verlagshaus Broschek errichtet. Hier wurde das Hamburger Fremdenblatt verlegt, die damals meistgelesene Tageszeitung der Stadt. Der Bau ist ein Juwel des von Höger maßgeblich geprägten Expressionismus in der Architektur. Die plastisch hervortretende Klinkergestaltung mit ihren golden bemalten Zierstücken und die dichtstehenden Pfeiler, die den Blick in die Höhe lenken, sind ein Musterbeispiel dieser Stilrichtung. 1976 bis 1981 erfolgte die Neubebauung des restlichen Blocks mit einer Einkaufspassage (Hanseviertel), die sich mit ihrer Backsteinfassade an der Alten Post und am Broschekhaus orientiert. Bei den Baumaßnahmen wurde das Broschekhaus von Gerkan, Marg und Partner zu einem Hotel umgestaltet, es wurde auch eine kleine Bronzeplastik in einer Wandnische installiert, die Fritz Höger zeigt.

 

 
Chilehaus:
 

Das Chilehaus ist eines der herausragendsten und bekanntesten Stücke Hamburger Architektur. Es wurde als Kontorhaus für Henry Sloman erbaut, der einen Großteil seines Reichtums durch den Handel mit Chile-Salpeter erworben hatte. Dieser Umstand erklärt auch die frühe Bauzeit direkt nach dem ersten Weltkrieg, da Sloman weder durch den Krieg noch durch die Inflation große Verluste hinnehmen mußte. Die Entwürfe stammen von Fritz Höger, der auch den  Sprinkenhof und das  Broschekhaus konzipiert hat. Der Grundriß des Chilehauses hat näherungsweise die Form eines Bootes, ein spitzer Winkel bildet den Bug, ausladende Seitenlinien führen zu einem geraden Abschluß, dem Heck des Schiffes. Die Bootsform wird auch am Gebäude selbst konsequent weiterentwickelt, insbesondere die Galeonsfigur am Bug und die Staffelgeschosse als Decksaufbauten bekräftigen den Schiffscharakter.

 

Der Skulpturenschmuck des Gebäudes stammt aus der Hand des Bildhauers Richard Kuöhl, der in dieser Zeit für die meisten Kommunalbauten die Bauplastik erstellt hat (weitere Beispiele sind die Bugenhagenkirche, die Schulen Rübenkamp und Tieloh, das Johanneum, das Holthusenbad, die Krugkoppelbrücke, die Davidwache, auch das umstrittene Gefallenendenkmal am Dammtor stammt aus seiner Hand). Hervorzuheben ist hier die Galeonsfigur des Chilehauses, ein Kondor, der als Symbol für die chilenischen Anden steht. Nach Hipp ist dieser Kondor ein direktes Zitat des HAPAG-Dampfers 'Imperator' und von dessen imperialistischer Adler-Galion. Hingewiesen sei noch auf eine Knabenfigur am Durchgang Fischertwiete, die ein Modell des Chilehauses trägt, eine schöne Anspielung an die Stifterstatuen mittelalterlicher Kirchen. Der Skuplturenschmuck setzt ansonsten nur unauffällige Akzente. Der Gesamteindruck der Fassaden wird vom geschickten Einsatz von Klinkersteinen geprägt, die eine vertikale Gliederung der Fassade vornehmen. Sehenswert sind auch die Treppenhäuser: Es finden sich hier hübsche Skulpturen auf den Treppengeländern und original erhaltene alte Firmenschilder im Eingangsbereich.

 

 
Meßberghof:
 

Südlich des Chilehauses und somit direkt am Wasser befindet sich der Meßberghof, ein Kontorhaus, das von den Brüdern Hans und Oskar Gerson errichtet wurde. Das Gebäude wurde von 1923 bis 1924 gebaut und ist in seiner äußeren Form einer gotischen Kirche nachempfunden. Die nach Westen ausgerichtete Hauptfassade des schmalen, hohen Hauses wird von drei großen und zwei kleinen Portalen geziert, ähnlich den Haupt- und Nebenschiffseingängen einer Kathedrale. Die seitlichen Flanken sind zu Strebepfeilern gegliedert, der nördliche Eingang wird von Maßwerk geschmückt, das den Tod als mittelalterlichen Knochenmann zeigt, jedoch in einer sehr moderner Gestalt.

 

Im ersten Stockwerk waren lange Jahre leere Sockel an der Fassade zu sehen, auf denen bis in die sechziger Jahre einige Skulpturen zu sehen waren. 1996 bis 1997 wurden dort neue Bronzefiguren von Lothar Fischer installiert, die er Enigma-Variationen nennt und die gelegentlich einen starken afrikanischen Einfluß vermuten lassen. Zwischen zwei Portalen der Westfassade weist eine Gedenktafel auf ein trauriges Kapitel der Geschichte dieses Hauses hin: Hier befand sich der Sitz der Firma Tesch & Stabenow, die die Konzentrationslager der Nazis mit den giftigen Chemikalien belieferte, die zum Mord an Millionen von Häftlingen benutzt wurden. Im Inneren des Meßberhofes befindet sich eines der schönsten Treppenhäuser der Stadt, dessen Kern eine rhytmisch angelegte Wendeltreppe bildet.

 

 
Sprinkenhof:
 

Der Sprinkenhof, der seinerzeit größte Bürokomlex Hamburgs, wurde von Fritz Höger gemeinsam mit Hans und Oskar Gerson entworfen. Er umfaßte damals Läden, Wohn- und Lagerräume, eine gemischte Nutzung, die durchaus ungewöhnlich ist für die Kontorhausbauten des Quartiers. Das Haus umschließt drei Innenhöfe, durch den großen, mittleren Hof führen zwei Staßen, die auch die Zufahrt zur Tiefgarage bilden. Das Gebäude wurde in drei Abschnitten errichtet, der Mittelteil entstand 1927 bis 1928, der westliche Teil wurde 1930 bis 1932 errichtet. Der Ostbau wurde 1939 bis 1943 von Fritz Höger alleine kreiert, Hans Gerson war 1931 verstorben, Oskar Gerson war das Bauen aus rassistischen Gründen verboten worden (siehe Hermann Hipp).

 

Der Bau selbst ist in dem für Höger typischen expressionistischen Stil gehalten, auch hier wurde der dunkle Klinker zu einer plastischen, dekorativen Fassadengestaltung verwendet. Die Außenwände des Komplexes zieren Wappen, die in mittelalterlicher Formensprache vom Handel und Verkehr erzählen, die Fassaden des Innenhofes werden von regelmäßigen geometrischen Mustern geschmückt, in denen golden bemalte Klinker die Akzente setzen. Im Sprinkenhof sind auch noch die ursprünglichen, gewölbten Fensterscheiben zu sehen, die den Bauten Högers einen etwas eigentümlichen, trutzigen Eindruck verliehen.

 

 
 
Literatur:
 

Hamburg. Hermann Hipp. Dumont Kunstreiseführer, Dumont Verlag, 1999, ISBN: 3-921939-88-7. Herrmann Hipp ist Professor für Kunstgeschichte und ein Kenner eines jeden Bauwerkes der Stadt.

Hamburger Treppenhäuser. Bernd Allenstein, Michael Pasdzior. Zeiseverlag, 1997, ISBN: 3980568784. Ein schöner Bildband, in dem auch das Innenleben der Kontorhäuser zu sehen ist.

Links:
 

Zu den Architekten  Hans und Otto Gerson finden sich Informationen und einige Bilder im  Architekturarchiv.

Eine Biographie  Fritz Högers ist in der  archINFORM Datenbank einzusehen.

 

 
 
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