Modified: 06.04.2003

Braunschweig ist eine nette, kleine Stadt in der weiteren Umgebung Hannovers. Nicht so sehr berühmt wie vielleicht Heidelberg oder Quedlinburg, da das mittelalterliche Stadtzentrum im 2. Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde, jedoch eine echte Perle in Hinblick auf die dortigen Kirchen. Der Dom ist ein herausragendes Stück Romanisch-Gotischer Architektur in Deutschland. Also ist Braunschweig allemal einen Besuch wert.

 

 
 
Dom St. Blasii:
 

Der Dom St. Blasii ist einer der vier sog. Löwendome in Norddeutschland. So werden die von Heinrich dem Löwen gestifteten Dome in Braunschweig, Schwerin, Ratzeburg und Lübeck genannt. Begonnen wurde der Bau des Domes um 1173, vorläufig fertiggestellt wurde er 1226. Das südliche Seitenschiff wurde bereits im 14. Jahrhundert erweitert, das nördliche wurde im 15. Jahrhundert durch eine zweischiffige Halle ersetzt. Diese Erweiterungen wurden im Gegensatz zum romanischen Ursprungsbau im gotischen Stil ausgeführt. Insbesondere die nördlichen Seitenschiffe sind Prachtexemplare der Gotik. Um die Pfeiler ringeln sich Profilrippen spiralförmig nach oben, der westlichste Pfeiler ist gar in sich verwunden. Die Ansicht, daß gotische Gewölbe einen Wald nachbilden, findet hier ein plastisches Argument.

Die Westfassade ist noch im romanischen Stil gehalten (mit Ausnahme des zwischen die Türme gebauten Glockengeschosses). Die Fassade macht einen sehr geschlossenen Eindruck, sie wird nur von einem prächtigen Radfenster durchbrochen. Die transparente Erscheinung gotischer Fassaden wurde zu romanischer Zeit noch nicht erreicht, wie z.B. ein Vergleich mit dem nördlichen Seitenschiff zeigt. Die Südseite des Domes ist mit zahlreichen Sonnenuhren bestückt. Auf der Nordseite befinden sich einige Bänke aus neuerer Zeit, die zum Verweilen einladen. Sie werden von lustigen Löwen getragen, jeder davon ist ein Unikat.

Die Wände im Chorbereich sind vollständig bemalt, mittelalterliche Geschichten in wundervoller Farbgebung (die Intensität der Farben rührt nicht zuletzt von den Restaurierungen um 1880 und 1954 her). Ein riesiger siebenarmiger Bronzeleuchter aus der Zeit Heinrichs des Löwen steht wie ein Lettner zwischen Hauptschiff und Chor. Er hat eine Spannweite von etwa 4 Metern, als Füße dienen 4 Löwenskulpturen. Weiterhin sehenswert ist der Marienaltar, der aus dem Jahre 1188 stammt.

Im Hauptschiff selber befindet sich das Grabmonument Heinrichs des Löwen und seiner Frau Mathilde. Die Eheleute sind in Lebensgröße dargestellt, Heinrich hält als Kirchenstifter ein Modell des Domes in der Hand. Unter diesem Monument befindet sich eine Gruft, die von den Nationalsozialisten gebaut wurde und die Sarkophage Heinrichs und Mathildes enthält. Sie ist mit Granit ausgekleidet und in dem für diese Zeit typischen Stil gehalten (ein Hauch von Heldentod und -verehrung weht durch die Luft). Nicht schön, aber einmalig. Außerdem befindet sich unter dem Chor die Welfengruft, in der seit 1681 die Welfen der Linie Braunschweig-Bevern beigesetzt wurden.

 

 
 
St. Martini:
 

St. Martini ist sehr malerisch gelegen inmitten vieler anderer, alter Gebäude am Altstadtmarkt. Urspünglich wurde sie 1190 bis 1195 in starker Anlehnung an den  Braunschweiger Dom gebaut, ab 1250 erfolgte jedoch ein Umbau zur gotischen Hallenkirche.

Die Farbgestaltung des Innenraumes ist etwas ungewöhnlich, ein kräftiges Blau bedeckt die Pfeiler. An der Südseite befindet sich die 1434 gestiftete Annenkapelle, in ihr sind ein Taufbaldachin, ein Taufbecken und ein Taufgitter zu bestaunen. Der von der Decke hängende Baldachin ist ein Musterbeispiel für den Eindruck der Schwerelosigkeit und des Schwebens, der in der Gotik erzeugt werden sollte. Eine von einem Berittenen getragene Kanzel und einige Epitaphe runden die prächtige gotische Innenausstattung ab.

 

Die Dienste und die Konsolen sind farblich abgesetzt. Das Blattwerk der Konsolen ist fein gearbeitet. Es lohnt sich, in dieser Kirche auf Feinheiten zu achten. Ein lustiges Detail ist die Kombination von altem Bau und mittlerweile nostalgischer Kommunikationstechnik: An einem der südlichen Pfeiler ist ein altes Wandtelefon befestigt. Optisch erscheint es dort keineswegs als fehl am Platze, wenngleich der Zweck des Telefons eher unergründlich ist.

 

 
 
St. Katharinen:
 

Ebenso wie  St. Martini hat auch die gegen 1200 begonnene Kirche St. Katharinen den  Braunschweiger Dom zum Vorbild. Auch hier erfolgte ein späterer Umbau zur Hallenkirche. Der Südturm wurde 1379, nach einer Erweiterung um zwei Geschosse, fertiggestellt. Der unvollendete Nordturm wurde im 16. Jahrhundert durch eine Laterne verschlossen. Die Außenwände der Halle sind in einem dunklen Rot gehalten, die Türme zeigen sich urtümlich ohne Anstrich. Schön sind die von Krabben gezierten Giebel der Seitenschiffdächer. Die weißen Profile bilden einen starken Kontrast zu den roten Seitenwänden.

Der Innenraum ist in weiß gehalten, die Dienste sind durch eine Farbgebung in Rosa und Gelb hervorgehoben. Im Innenraum gibt es noch einige Epitaphe. Ansonsten ein schlichtes, neues Interieur, das offenbart, daß die Kirche im Kriege stark gelitten hat.

 

 
 
St. Andreas & Alte Waage:
 

Die Kirche St. Andreas befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Fachwerkhaus "Alte Waage". Dieses Haus war früher der Ort, an dem gewogen werden mußte;. Das Gebäude wurde im Weltkrieg vollständig zerstört und erst Ende der achtziger Jahre in einem Forschungsprojekt wieder erbaut.

St. Andreas war ursprünglich eine Pfeilerbasilika, wurde jedoch später in eine Hallenkirche umgebaut. Der Südturm wurde im 16. Jahrhundert im spätgotischen Stil vollendet. Hinter der Kirche (also im Osten) steht die wiederaufgebaute Liberei, ein mittelalterliches Backsteingebäude, das bereits im 14. Jahrhundert eine Bibliothek beinhaltete.

Der Innenraum stellt sich heute als moderner Saal dem Betrachter dar. Er ist hell, da die alten, farbigen, dunklen Fenster im Kriege zerstört wurden, und beinhaltet keine alten Altare oder Epitaphe. Zum neuen Interieur gehören Kanzel, Altar, Taufbecken und auch die Glocken.


 
 
Literatur:
 

Einige Informationsquellen über Braunschweig und seine Gebäude:

Braunschweiger Kirchen-Führer, Hrsg: Stadtkirchenverband & Propstei Braunschweig. 1994 (in allen Kirchen und in den Touristeninformationen erhältlich).

Der Braunschweiger Dom, Hrsg: Ev.-luth. Dompfarramt Braunschweig. Kunstverlag PEDA, Passau, 1994. ISBN: 3-930102-21-8.


 
 
 Anregungen, Lob und Kritik nehme ich gerne entgegen.